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Freitag, 29. Juni 2018

Eine Form des Vitamins B3 könnte gegen die Neurodegeneration bei Parkinson helfen.

Vitamin B3 gegen Parkinson?



Wirkstoff schützt Nervenzellen vor dem Absterben



Neuer Therapieansatz: Eine Form des Vitamins B3 könnte gegen die Neurodegeneration bei Parkinson helfen. Wie erste Tests mit menschlichen Zellen zeigen, scheint der Wirkstoff den defekten Energiestoffwechsel in betroffenen Hirnzellen wieder anzukurbeln – und sie dadurch vor dem Absterben zu schützen. Bei erkrankten Fliegen führte die Gabe des Vitamins dazu, dass die Tiere länger ihr Bewegungsvermögen behielten. Weiterführende Studien sollen das Potenzial dieses Ansatzes nun genauer erforschen.

Zittrige Hände, steife Muskeln und verlangsamte Bewegungen – das sind die typischen Symptome von Parkinson. Über sechs Millionen Menschen leiden weltweit an dieser zweithäufigsten neurodegenerativen Erkrankung nach Alzheimer. In Deutschland sind 220.000 Patienten betroffen.

Die eigentlichen Ursachen des Leidens sind nach wie vor unbekannt. Klar aber ist: Parkinson zeichnet sich durch ein fortschreitendes Absterben von Nervenzellen aus, insbesondere gehen dabei Dopamin-produzierende Neuronen in der sogenannten Substantia nigra im Mittelhirn zugrunde. Wissenschaftler suchen deshalb unter Hochdruck nach Wirkstoffen, die diese Neurodegeneration stoppen oder zumindest verlangsamen können.


Geschädigte Kraftwerke

Auf ein vielversprechendes Mittel könnten dabei nun Michela Deleidi von der Universität Tübingen und ihre Kollegen gestoßen sein. Sie hatten sich auf die Tatsache konzentriert, dass in den betroffenen Nervenzellen die Mitochondrien beschädigt sind – Zellbestandteile, die für die Energieproduktion verantwortlich sind.


"Studien haben gezeigt, dass eine Form des Vitamins B3 bei gesunden Versuchspersonen den Energiestoffwechsel der Zellen ankurbelt", sagt Deleidi. Wie würde sich das Vitamin auf kranke Zellen auswirken?


Um das herauszufinden, entnahmen die Forscher Zellen aus der Haut von Parkinsonpatienten und programmierten diese so um, dass sie sich zunächst zu Stammzellen und anschließend zu Nervenzellen weiterentwickelten. Auch in den so entstandenen Neuronen war die Funktion der Mitochondrien beeinträchtigt. Mithilfe der Vitamin-B3-Form Nicotinamid-Ribosid versuchte das Team nun, in diesen Zellen die Bildung neuer Mitochondrien anzuregen.

Vor dem Zelltod geschützt


Wie erwartet, stieg durch die Gabe des Vitamins die Konzentration eines Coenzyms namens NAD in den Zellen an. Denn bei dem Nicotinamid-Ribosid handelt es sich um eine Vorstufe dieses Coenzyms, das bei der Bildung von Mitochondrien eine wichtige Rolle spielt. Tatsächlich hatte der NAD-Anstieg einen durchschlagenden Effekt, wie Deleidi berichtet: "Der Energiehaushalt in den Nervenzellen verbesserte sich stark. Es bildeten sich neue Mitochondrien und die Energieproduktion erhöhte sich." Als Folge waren die Zellen besser vor dem Absterben geschützt.

Doch wirkt sich der verbesserte Energiestoffwechsel wirklich auf die für Parkinson typischen Beschwerden aus? Das testeten die Wissenschaftler im Versuch mit Fliegen, die an einer genetisch mitbedingten Form der Erkrankung litten. Dafür reicherten sie das Futter der Insekten mit dem Vitamin an. Eine Kontrollgruppe bekam dieses Nahrungsergänzungsmittel nicht.


Weitere Studien nötig

Das Ergebnis: Bei den behandelten Fliegen starben nicht nur viel weniger Nervenzellen ab als bei den unbehandelten. Sie behielten darüber hinaus auch länger ihr Bewegungsvermögen und hatten weniger Probleme beim Laufen und Klettern, wie das Team berichtet. "Diese Ergebnisse legen nahe, dass der Verlust von Mitochondrien tatsächlich eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Parkinson spielt", sagt Deleidi.


Nach Ansicht der Forscher könnte die Gabe von Nicotinamid-Ribosid ein vielversprechender neuer Therapieansatz sein. Doch ob das Vitamin Parkinsonpatienten wirklich helfen kann, können in Zukunft erst weitere Studien zeigen. (Cell Reports, 2018; doi: 10.1016/j.celrep.2018.05.009)

Samstag, 18. April 2015

Vitamn B3 - Zentral für den Energiestoffwechsel

Vitamin B3 (Nicotinsäure)




Nicotinsäure ist ein wasserlösliches Vitamin. Die Bezeichnungen Vitamin B3 oder PP-Faktor (Pellagra-Preventingfaktor) für Nicotinsäure geltenheute als veraltet und überholt. Synonyme für Nicotinsäure sind: Niacin Pyridin-3-Carbonsäure. Der Begriff Niacin bezieht sich sowohl auf die Nicotinsäure selbst als auch auf ihr Aminderivat Nicotinamid.


Beschreibung


Nicotinsäure findet sich in allen lebenden Zellen und wird in der Leber gespeichert. Es bildet einen wichtigen Baustein verschiedener Coenzyme und wirkt wie ein Auslöser ohne den es keinen richtigen Stoffwechsel und keine Resorption von Eiweiß Fetten und Kohlenhydraten gibt. Gegenüber Hitze Licht und dem Luftsauerstoff ist Nicotin weniger empfindlich als andere Vitamine der B-Gruppe.


Aufgabe/Funktion

Nicotinsäure trägt neben der Hauptaufgabe bezüglich der verschiedenen Stoffwechsel wie dem Eiweiß- Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel zur Energiegewinnung bei. Es hat antioxidative Wirkung und ist an vielen enzymatischen Vorgängen beteiligt. Nikotinsäure ist wichtig für die Regeneration der Haut Muskeln Nerven und DNS .




Vorkommen


Natürliche Lieferanten von Nicotinsäure sind hochwertige Eiweißnahrungsmittel wie Geflügel, Wild, Fisch, Pilze, Milchprodukte und Eier. Auch Leber Kaffee Vollkornprodukte verschiedene Gemüse und Obst enthalten das Nikotinsäure wobei es aus tierischen Produkten grundsätzlich besser vom Organismus verwertet wird. Vegetarier decken ihren Bedarf beispielsweise mit Erdnüssen Weizenkleie Datteln Champignons Bierhefe getrocknetten Aprikosen und Hülsenfrüchten. Um dendurchschnittlichen Tagesbedarf bei Nicotinsäure zu decken reichen beispielsweise folgende Mengen der betreffenden Lebensmittel aus:


  • 100 g Rindfleisch
  • 150 g Putenfleisch
  • 300 g Chamignons


Bedarf

  • Frauen 15 mg/Tag
  • Männer 20 mg/Tag


 Mangelerscheinungen ( Hypovitaminose )


Mangelsymptome treten selten auf da der Körper Nicotinsäure aus dem Eiweißbaustein Tryptophan bilden kann. Durch eine eiweißarme Ernährung oder durch Absorptionsstörungen kann es zunächst zu unspezifischen Störungen wie Appetitlosigkeit Konzentrations-und Schlafstörungen sowie einer gewissen Reizbarkeit kommen. Symptome bei Nicotinsäuremangel sind weiterhin:
  • Hautveränderungen Dermatitis
  • Durchfall
  • Depressionen
  • Entzündung der Mund- und Magen-Darmschleimhäute
  • Krankheit: Pellagra
Das Auftreten dieser Krankheit steht im Zusammenhang mit der Einführung des Mais in Europa. In den Ursprungsländern der Azteken und Mayas wurde der Mais nach der Ernte üblicherweise in Kalkwasser gelegt um das Niacin im Mais freizusetzen. 
Von den spanischen Eroberern wurde der Mais nach Europa Nordamerika und Afrika gebracht ohne diese Technik zu beachten. Die Folge war dass bei ganzen Bevölkerungsschichten bei denen Mais als Hauptnahrungsquelle galt Niacin-Mangelerscheinungen auftraten.


Folgen einer Überdosierung
( Hypervitaminose )


Bei einer Zufuhr von >500 mg/Tag kommt es zum hautgefäßerweiternden Effekt Flush und bei einer Menge von >2500 g/Tag kann der Blutdruck sinken können Schwindelgefühle auftreten und ein erhöhter Harnsäuregehalt im Blut auftreten.


Nicotinsäure als Medikament


Nicotinsäure wird als Fettsenker eingesetzt um der Arteriosklerose vorzubeugen. Dabei senkt Nicotinsäure in einer Dosis von 500 - 1000 mg / Tag den LDL Wert des Cholesterins es erhöht den HDL Wert und erniedrigt die Triglyzeride . Die Gabe von Nicotinsäure wurde bisher durch seine Nebenwirkungen ( Flush) begrenzt. Durch eine retardierte Form und eine abendliche Einnahme ist es besser verträglich geworden. Eine große Studie die den lebensverlängernden Effekt von Nicotinsäure beweist steht noch aus.


Vitamin B-Gruppe


Hier handelt es sich um eine Sammelbezeichnung wasserlöslicher Vitamine unterschiedlicher chemischer Zusammensetzungen. Außer den eigentlichen B-Vitaminen wie B1 Thiamin, B2 Riboflavin, B6 Pyridoxin, und B12 Cobalamin rechnet man noch Biotin Folsäure, Nicotinsäure und Pantothensäure hinzu. Die Gruppe der B-Vitamine kommt in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln vor. Ohne die Faktoren der B-Gruppe laufen fast keine biochemischen Prozesse im Körper ab. Vitamine der B-Gruppe stellen keine einheitliche Klasse dar. Sie sind chemisch und pharmakologisch völlig verschiedene Substanzen. Einzelne B-Vitamine kommen in der Natur niemals isoliert vor. Aus diesem Grund wirken sie in der Regel auch im Verbund.


Geschichte


Entdeckung der Nicotinsäure (Niacin) 1936