Mittwoch, 13. September 2017

Mitochondrien - Kraftwerke der Zellen

Mitochondrien




Mitochondrien sind winzige salzgurken-förmige Zell-Organellen, die Kohlenhydrate durch ihren Stoffwechsel in Energie umwandeln. Sie werden auch als Kraftwerke der Zellen bezeichnet.
Mitochondrien besitzen ihre eigene DNA, die ganz anderes ist, als die DNA der Zelle. Die Mitochondrien-DNA enthält weniger als 40 Gene. Mit diesen 40 Genen betrieben die Mitochondrien nicht nur den Sauerstoff-Stoffwechsel, sondern bestimmen auch zu einem grossen Teil die Lebenslänge einer Zellen.


ATP - der Treibstoff des Lebens


Die DNA der Mitochondrien wird über die Eizell der Mutter an den Embryo weiter gegeben. Die Mitochondrien stellen einen Brennstoff her, der die ganzen Stoffwechselvorgänge in der Zelle antreibt. 
Dieser Brennstoff wird Adenosintriphosphat oder kurz ATP genannt. ATP ist die Währung des Körpers. Um ATP zu erzeugen, verheizen die Mitochondrien Traubenzucker mit Hilfe von Sauerstoff.
Wir atmen Sauerstoff ein, er gelangt mit dem Blut zu den Zellen im ganzen Körper. Dort setzen die Mitochondrien ein und wandeln die Energie unserer Nahrung in ATP um.
Jede Zelle ist bedroht, wenn die Mitochondrien geschädigt sind und nicht reibungslos funktionieren.
Mitochondrien werden durch Toxine schnell beeinträchtigt. Das kann dazu führen, dass der Energiestoffwechsel nicht mehr richtig funktioniert.
Das kann zu Zellschädigungen führen und eventuell zum Absterben der Zelle. Beschädigte Zellen sind weniger robust und ihre Lebensspanne verkürzt sich.









Montag, 11. September 2017

Fasten - Sinn und Zweck

Fasten


Ein ganz wichtiger Bestandteil einer Entgiftungskur ist das Faste. Wir fasten nicht um abzunehmen, das ist eher eine missbräuchliche Anwendung dieser Praxis. 
Beim Fasten bringen wir die Regenerationsmechanismen des Körpers in Gang und vertreiben die Nebel in unserem Gehirn.
Wir bewirken mit dem Fasten eine Reinigung auf der Zellebene. Wenn wir länger als ein paar Stunden keinen Zucker und kein verarbeitetes Getreide konsumieren, kommt ein Prozesse in Gang, den man als Autophagozytose oder Autophagie bezeichnet. Dabei werden Abfälle in den Zellen so recycelt, dass das Zellmaterial anschliessend wieder als Baumaterial neuer Zellen verwendet werden kann.





Beim Entschlacken entlassen die Zellen Abfälle, die mit dem Blutstrom in den Verdauungstrackt gelanten und schliesslich ausgeschieden werden.
Solange wir Zucker aufnehmen, befindet sich der Körper im Aufbaumodus un erzeugt Muskelgewebe. 
Nehmen wir auch nur ein paar Stunden keinen Zucker zu uns, beginnen die  Autophagozytose und das Recycling.

Selbst bei sehr kurzen Fastenzeiten kommen erstaunliche Dinge in Körper und Gehirn in Gange. Bereits nach vierundzwanzig Stunden nimmt die Produktion des Wachstumshormons (Somatropin), das für die Reparaturen unserer Körperzellen sorgt, um das Fünffache zu. 

Wenn wir auch nur achtzehn Stunden lang auf Zucker verzichten, beginnen die Selbstheilungskräfte des Körpers zu wirken, die Zellen werden entgiftet, die Langlebigkeitsgene eingeschaltet.

Beim Entgiftungsfasten nehmen wir von sechs Uhr abends bis zum nächsten Mittag keinerlei Zucker zu uns.

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Gesunde Ernährung verbessert die Wirkung 

Um die Wirkung des Fastens zu verstärken sollte der Speiseplan viel frisches und balaststoffreiches Gemüse bieten, dazu gesunde Nüsse, Kerne und Öle sowie Fisch mit hohem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren (Kaltwasserfische).

Sorgen Sie für reichlichen Zufuhr von ballaststoffreichem Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler, zu der allen Kohlsorten, wie Rotkohl, Brokkoli und Kohlrabi, aber auch Senf, Rettich und Radieschen gehören.

Diese Gemüsesorten, aktivieren einen genetischen Signalweg, der die Produktion von Antioxidantien und entgiftenden Enzymen reguliert und die Langlebigkeitsgene in den Zellen einschaltet.



Wurzelgemüse sind eher zu meiden, da sie einen hohen glykämischen Index haben und den Blutzuckerspiegel heben.

Essen Sie in der Entschlackungsphase nur einmal im Tag Obst, und zwar am Nachmittag. Obstsäfte sollte Sie ganz weglassen, da diese ebenfalls den Blutzucker erhöhen.

Nehmen Sie lieber gleich am Morgen einen frischen Saft aus grünem Bio-Gemüse zu sich.
Ein wenig Karotte oder Apfel als Geschmackszusatz schadet nicht.

Nach der Entgiftung oder Entschlackung kommt der Körper auch gut mit massvollen Mengen anderer gesunder Nahrungsmittel zurecht, die während der Entgiftung nicht erlaubt sind.
Sie können jetzt wieder eine Tasse Kaffee pro Tag und gelegentlich ein Glas Wein trinken.

Stark blutzuckerwirksame Nahrungsmittel wie Karotten oder Kartoffelpüree müssen Sie nicht ganz und für immer von Ihrem Speiseplan streichen, aber achten Sie stets auf Ihre Stimmungslage und auf die Signale Ihres Körpers, um zu wissen, wann Sie wieder entgiften müssen.



Während der Entschlackungskur ist es wichtig, dass Sie nach sechs Uhr abends nichts mehr essen, so dass bis zum ersten Frühstück mindestens zwölf Stunden fasten, und die Glukose-Versorgung für achtzehn Stunden unterbrochen ist.







Fasten - die Hintergründe



Fasten macht gesund. Es kann bei der Prävention von Alzheimer, Demenz und Brustkrebs helfen. Und Genussmenschen sei gesagt: Es lässt sich leicht in den Alltag integrieren.


Man kann auf viele Arten weniger essen – diätgewohnte Menschen wissen das nur zu gut. 


Grundsätzlich sind zwei Varianten zu unterscheiden: 
  • dauernd weniger essen oder 
  • die Abstände zwischen den Mahlzeiten verlängern. Letzteres heisst im Fachjargon intermittierendes Fasten.



Nach 18 Stunden wird Fett verbrannt


Wenn man isst, geht die Energie vereinfacht gesagt in die Leber, wo sie als Glykogen gespeichert wird. Es dauert ungefähr 12 bis 18 Stunden, bis das Glykogen in der Leber abgebaut ist. Doch dazu kommt es bei drei Mahl­zeiten pro Tag nie – ausser man ist körperlich aktiv.

Wenn man aber lange genug nichts isst, hat die Leber Zeit, das Glykogen abzubauen. Danach beginnt die Fettverbrennung, wobei Ketone gebildet werden. 


Obwohl sie das nicht wussten, nutzten schon die alten Römer deren Wirkung: Wenn einer von ­ihnen einen epileptischen Anfall hatte, ­wurde er ohne Nahrung in einen Raum gesperrt. Das würde, so der Glaube damals, seine Dämonen austreiben. Tatsächlich halfen die Ketone – die noch heute gegen Epilepsie eingesetzt werden. 

In Sibirien behandelt man seit 1995 Patienten, die an Bluthochdruck, Diabetes, Rheuma oder Allergien leiden, mit Fastenkuren. Bei rund zwei Dritteln mit Erfolg.

Fasten bedeutet Stress für den Körper. Forscher Mattson sagt, das Hirn lerne durch diese Belastung, mit Stress umzugehen. 


Beim Fasten aktiviert der Körper seine Selbstheilungsmechanismen, wobei es eine untergeordnete Rolle spielt, ob man jeden Tag während 16 Stunden auf Nahrung verzichtet, einen Tag pro Woche das Essen auslässt oder jeden Monat ein paar ­Tage fastet. 

Hauptsache, man macht es einigermassen regelmässig. Und passend zum Lebensstil.




Wie beim Sport fühlt man sich auch durch intermittierendes Fasten besser. Das liegt daran, dass in beiden Fällen im Hirn Proteine entstehen, die ihrerseits neue Nervenzellen und neue Verbindungen zwischen diesen bilden. 


Das verbessert die Lern- und Erinnerungsleistung. Diese Proteine helfen, Parkinson zu verhindern. 

«Wir haben auch festgestellt, dass intermittierendes Fasten die Zellen dazu bringt, defektes Erbgut zu reparieren», sagt Mark Mattson.





Fasten ist das beste Heilmittel



Fasten ist nicht per se gefährlich, da ist sich die Evolutionsbiologie inzwischen sicher. Schon die allerersten Tiere auf der Erde müssen über einen Mechanismus verfügt ­haben, dank dem sie längere Hungerzeiten durchstehen konnten, ohne gesundheitliche Schäden zu erleiden. Drei warme Mahlzeiten und zwei Snacks dazwischen sind so ziemlich das Letzte, ­wofür wir gemacht sind.

Ganz neu ist die Erkenntnis nicht. Schon Paracelsus, einer der Väter der westlichen Medizin, soll gesagt haben: «Fasten ist das beste Heilmittel.» Und 4000 Jahre zuvor zierten die alten Ägypter eine Pyramide mit einer ­Inschrift, die sinngemäss lautet: Der Mensch lebt von einem Drittel von ­allem, was er isst. Von den übrigen zwei Dritteln leben die Ärzte.



«Es geht nicht mehr um die Kalorienzahl, sondern darum, wann man isst.»

Satchin Panda, Biologe

Zu den Tipps und Ratgebern über Faste


Ruth Patterson, Professorin für Krebsprävention an der Uni von San Diego, sieht zudem Zusammenhänge zwischen der Ernährung und dem Brustkrebsrisiko. «Wir wissen, dass Östrogen ein Risikofaktor für Brustkrebs ist, weil Östrogen ein Wachstumsfaktor ist. Genau das ist Insulin auch. Je nachdem, was wir essen, steigt unser Insulinspiegel. 


Es ist kein Zufall, dass übergewichtige, körperlich weniger aktive Frauen und Frauen mit Diabetes ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben», sagt die Forscherin.

Den Insulinspiegel senkt man ­unter anderem durch Essenspausen, da Insulin ausgeschüttet wird, wenn es gebraucht wird. Und es ist nicht nur ein potenter Wachstumsfaktor, sondern vor allem ein Speicherhormon. Es ist daran beteiligt, den Zucker, den wir nicht verbrennen, als Glykogen in Leber und Muskeln zu speichern.
Deren Speicherkapazität ist auf rund ein halbes Kilo begrenzt. 



Wenn die Speicher voll sind, werden zusätzlich zugeführte Kohlenhydrate in Fett umgewandelt. Die Fettspeicher sind praktisch unbegrenzt – schlechte News für alle Abnehmwilligen.






Dicke und schlanke Mäuse



Für Menschen, die Fett abbauen wollen, sind längere Essenspausen also sinnvoll. Das legen auch Laborversuche nahe. 





Mäuse, die nur während acht Stunden am Tag fressen durften, waren am Ende schlanker als Mäuse, die rund um die Uhr knabbern durften – obwohl sie gesamthaft gleich viel Energie zu sich genommen hatten.
Der ausführende Forscher Satchin Panda vom Salk-Institut in Kalifornien sagt: «Jahrelang haben wir nur über Kalorienkonsum und -verbrauch gesprochen, über gesunde Ernährung und Fitnesstraining. Heute glauben wir, dass es mindestens so wichtig ist, wann jemand isst wie was er isst.»

Bei seinem Experiment stellte ­Panda zudem fest, dass diejenigen Mäuse, die jeweils nur während acht Stunden frassen, auch bessere Leberwerte, weniger Entzündungen und bessere Cholesterin- und Blutzuckerwerte hatten.

Diejenigen Mäuse, die den ganzen Tag frassen, hatten da­gegen einen hohen Cholesterinspiegel, hohe Blutzuckerwerte, eine Fettleber und weitere Stoffwechselprobleme.


Dem Magen eine Pause gönnen



Für Panda liegt der Grund in der Vergangenheit: «Während Millionen von Jahren assen die Menschen nur tagsüber. Erst in den letzten 50 Jahren ist Essen rund um die Uhr verfügbar. ­Unsere Daten legen die Vermutung nahe, dass unsere Verdauung während der Nacht ­eine Pause braucht, genau wie unser Hirn. 


Magen und Leber regenerieren sich über Nacht.»

Bevor man Pandas Erkenntnisse zur Vorbeugung und Bekämpfung von Fettleibigkeit und Diabetes anwenden kann, braucht es Stu­dien am Menschen. «Trotzdem kann man die Daten als Paradigmenwechsel bezeichnen», sagt der Biologie­professor. 


«Es geht nicht mehr einfach darum, wie viele Kalorien man zu sich nimmt und wie viele man verbraucht, sondern darum, wann wir essen und wie das den Kalorienverbrauch und die Gesundheit beeinflusst.» 

Man müsse jetzt im grösseren Stil erforschen, ob der Essenszeitpunkt auch die negativen Eigenschaften von zu hohem Fruktose- und Kohlenhydratkonsum beeinflusst.

«Am Fasten interessiert mich vor allem der gesundheitliche Nutzen», sagt Lawrence Rajendran. Der Zell­biologe forscht mit seinem Team in Schlieren für die Uni Zürich und inte­ressiert sich für neurodegenerative ­Erkrankungen wie Demenz und Alzheimer. «Alzheimer ist eine Folge des Alterns. 


Es gibt eine erbliche Komponente, aber die ist klein», sagt er. Grundsätzlich weiss man, dass Alzheimer entsteht, wenn sich im Hirn zwischen den Nervenzellen amyloide Plaque ablagert, eine Art Stoffwechselabfall.



Rajendran: «Es ist ein kleines Protein, ein Peptid, das sich ansammelt. Wir wissen nicht sicher, wie es dazu kommt und ob es wirklich der Grund für Alzheimer ist – es könnten Infektionen sein, unsere Lebensweise, unsere Ernährung. Vermutlich ist es eine Kombination von allem.»

Rajendran untersucht, ob Fasten Alzheimer vorbeugen kann. Bekannt ist, dass bei Erkrankten die Amyloid-Ablagerungen nicht mehr entsorgt werden. «Wenn das Hirn Nahrung in Überfluss hat, wird der Abfall-Schredder-Mechanismus heruntergefahren. Die Folge: Mehr von den Abfällen bleiben liegen. Wir erklären das damit, dass die Abfallverwertung eine eigentliche Recycling-Bude ist. Wenn jetzt genug externe Nahrung kommt, muss man nicht so viel recyceln, um genug zu haben», so Rajendran.

Der Forscher weiss, warum er fastet



Die Erkenntnis könnte der Präven­tion von Alzheimer dienen: Wenn man dem Körper zu wenig Nahrung zuführt, werfen die Zellen den Recycling-­Mechanismus an und räumen die Plaques weg, die sich sonst ansammeln. 


Rajendran sagt, es sei am besten, in den mittleren Jahren zu fasten. Bei älteren Patienten könnte der Nährstoffentzug auch negative Auswirkungen haben. Fasten ist bei Alzheimer also eventuell eher als Prävention denn als Therapie geeignet.

«Wir wissen heute noch lange nicht ­alles», sagt er. «Wir wissen, dass es auch Krebsarten gibt, bei denen Fasten eine extrem positive Wirkung hat. Natürlich sollte man so etwas aber nie ohne ärztliche Aufsicht machen.»

Aufgrund seiner Erkenntnisse hat der Neurobiologe seinen Lebensstil geändert: «Seit ich die Ergebnisse dieser Forschung kenne, lasse ich das Frühstück weg. Ich weiss, warum.»



Wer sollte nicht fasten?

Wer regelmässig fastet, hält seine Linie und ist gesünder. Letzteres gilt allerdings nicht für alle.
  • Kinder und Jugendliche sollten grundsätzlich nicht fasten. Falls es darum geht, echtes Übergewicht zu bekämpfen, sollte man sich an Spezialisten wenden und vor allem darauf achten, dass keine klassische Fastenkur stattfindet, sondern eine langfristige Ernährungsumstellung.
  • Schwangere Frauen und stillende Mütter sollten nie fasten (siehe «Jede Diät ist ein Risiko»).
  • Auch Senioren sollten nicht fasten. Bei ihnen sorgt ein leicht erhöhter Body-Mass-Index statistisch gesehen für mehr Gesundheit und ein längeres Leben.
  • Personen mit psychischen Erkrankungen oder Stoffwechselerkrankungen (Diabetes Typ 1)
  • Auf keinen Fall ohne ärztliche Aufsicht fasten sollten Untergewichtige sowie Menschen, die in ärztlicher Behandlung sind und regelmässig Medikamente (vor allem Herz-Kreislauf-Medikamente oder Psychopharmaka) einnehmen müssen. 

Sonntag, 10. September 2017

Salzreiche Kost erhöht das Herzschwäche-Risiko

Salzreiche Kost erhöht das Herzschwäche-Risiko

Zu hoher Salzkonsum schadet dem Herzen – unabhängig vom Blutdruck



Zu viel Salz macht herzkrank: Ein zu hoher Salzkonsum erhöht das Risiko, eine Herzschwäche zu entwickeln, deutlich. Das legt nun eine finnische Langzeitstudie mit mehr als 4.000 Probanden nahe. Wer täglich über 13,7 Gramm Salz aufnimmt, ist demnach doppelt so anfällig für die Herzkrankheit wie Menschen, die weniger als 6,8 Gramm pro Tag konsumieren. Besonders interessant: Der Effekt scheint unabhängig vom Blutdruck zu sein.
Salz hat einen ambivalenten Ruf: Einerseits ist es ein wichtiger Mineralstoff für den menschlichen Körper, den wir täglich von außen zuführen müssen – etwa um Verluste durch Schweiß auszugleichen. Denn bekommt unser Organismus zu wenig davon, können wir krank werden. Zu viel Salz kann andererseits jedoch schädlich sein.

So soll eine salzreiche Ernährung den Blutdruck in die Höhe treiben und dadurch unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle fördern. Viele Mediziner plädieren daher für eine eher salzarme Kost: Mehr als sechs Gramm täglich sollten es nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) nicht sein, einige Forscher halten sogar maximal drei Gramm täglich für besser.


Dass es sich lohnt, mit dem Salzstreuer sparsam umzugehen, bestätigt nun eine finnische Langzeitstudie mit 4.630 Teilnehmern. Für ihre Untersuchung befragten Pekka Jousilahti vom National Institute for Health and Welfare in Helsinki und seine Kollegen Probanden zu ihrem gesundheitsbezogenen Verhalten und erhoben Gewicht, Größe, Blutdruck sowie diverse Laborparameter im Blut.


Außerdem analysierten sie über einen Zeitraum von 24 Stunden gesammelte Urinproben, um den individuellen Salzkonsum zu berechnen. Die Forscher wollten wissen: Wie wirkt sich die Salzaufnahme auf das Risiko aus, eine Herzschwäche zu entwickeln? Um das herauszufinden, beobachteten sie die Studienkohorte zwölf Jahre lang weiter.

Doppelt so hohes Risiko


Im Laufe dieses Zeitraums wurde bei insgesamt 121 vormals herzgesunden Teilnehmern eine Herzschwäche diagnostiziert. Die auch Herzinsuffizienz genannte Erkrankung entsteht durch eine Unterversorgung des Pumporgans und kann zum Beispiel durch Bluthochdruck oder Herzmuskelentzündungen ausgelöst werden.

Der Blick auf die Betroffenen offenbarte einen deutlichen Zusammenhang: Je mehr Salz Probanden konsumierten, desto häufiger wurde ihr Herz krank. "Wer mehr als 13,7 Gramm Salz pro Tag aufnahm, hatte ein doppelt so hohes Risiko wie Personen, die weniger als 6,8 Gramm täglich konsumierten", berichtet Jousilahti. Bei 6,8 bis 8,8 Gramm Salz pro Tag war das Herzschwäche-Risiko immerhin um das 1,4-Fache erhöht.

Unabhängig vom Blutdruck


Erstaunlich dabei: Die bekannten negativen Auswirkungen einer salzreichen Ernährung auf den Blutdruck können das erhöhte Risiko nicht erklären. "Der salzbedingte Anstieg des Herzinsuffizienz-Risikos war unabhängig vom Blutdruck", sagt Jousilahti. Demnach scheint Salz dem Herzen nicht nur durch seinen Effekt auf den Blutdruck schaden zu können.

"Daten, wie sie diese Studie liefert, sind ein weiterer Hinweis, dass der kardiovaskulären Prävention durch geeignete Ernährung und andere Lebensstilmaßnahmen noch viel mehr Bedeutung zukommen sollte", kommentiert der Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Eckart Fleck.

Wie der Wissenschaftler betont, liegt der Salzkonsum auch in Deutschland weit über den üblichen Empfehlungen: Einer Studie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zufolge nehmen Männer in Deutschland im Schnitt täglich zehn Gramm Salz und Frauen 8,4 Gramm zu sich. (European Society of Cardiology Congress, 2017)

Freitag, 8. September 2017

Mediterrane Ernährung wirkt genauso gut wie Medikamente

Mittelmeerkost gegen Sodbrennen?


Mediterrane Ernährung wirkt genauso gut wie Medikamente


Obst und Gemüse statt Säureblocker: Eine mediterrane Ernährungsweise könnte gegen Sodbrennen und die sogenannte Refluxkrankheit helfen. Darauf deutet nun eine Studie hin. Demnach scheint eine strenge Diät nach den Prinzipien der Mittelmeerküche die typischen Beschwerden ebenso gut lindern zu können wie die Behandlung mit gängigen Medikamenten, die teilweise gefährliche Nebenwirkungen haben.



Sodbrennen, Brennen im Rachen und saures Aufstoßen sind mögliche Anzeichen der sogenannten Refluxkrankheit. Dabei steigt Magensäure in die Speiseröhre oder bis in Rachen und Mundraum auf. Das ist mehr als nur unangenehm: Langfristig kann die schmerzhafte Erkrankung die Speiseröhre schädigen und sogar Krebs zur Folge haben. Als Auslöser der Beschwerden gelten unter anderem übermäßig große und späte Mahlzeiten, fettige oder saure Speisen, Alkohol sowie die Einnahme bestimmter Medikamente.

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Behandelt wird die Krankheit in der Regel mit Protonenpumpenhemmern - Arzneimittel, die die Produktion von Magensäure hemmen. Zusätzlich kann eine Veränderung des Lebensstils zu einer Besserung beitragen. So wird Betroffenen häufig geraten, auf Kaffee, Alkohol und fettiges Essen zu verzichten. Craig Zalvan vom Northwell Health Phelps Hospital in Sleepy Hollow und seine Kollegen haben nun untersucht, ob auch eine Ernährungsumstellung allein gegen das Sodbrennen helfen kann. Ihr Fokus galt dabei der oft als besonders gesund angepriesenen Mittelmeerkost.

Strenge Mittelmeer-Diät


"Obwohl die gängigen Medikamente einigen Patienten helfen, bin ich der Meinung, dass die medikamentöse Therapie nicht der einzige Weg sein kann - gerade weil Protonenpumpenhemmer teilweise auch bedenkliche Nebenwirkungen haben", sagt Zalvan. Da er wusste, dass die mediterrane Ernährungsweise mit viel Obst, Gemüse und Getreide sowie dem weitestgehenden Verzicht auf tierische Fette und insbesondere rotes Fleisch bereits für die Behandlung anderer chronischer Erkrankungen erforscht wird, wollte der Mediziner diesen Ansatz auch bei seinen Patienten testen.


Für die Untersuchung wurde 99 Patienten mit Laryngitis gastrica, einer speziellen Form der Refluxkrankheit, eine strenge Diät nach den Prinzipien der Mittelmeerküche verordnet. Zusätzlich sollten die Probanden basisches Wasser trinken und die normalen Regeln zur Vorbeugung von Sodbrennen wie den Verzicht auf Kaffee und Co einhalten. 85 Patienten in der Kontrollgruppe behandelten ihre Erkrankung standardmäßig mit Medikamenten und achteten ebenfalls darauf, Kaffee, Alkohol und sehr fettreiche oder würzige Mahlzeiten zu vermeiden.

Deutliche Besserung der Beschwerden


Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich die Symptome der Patienten nach einem Behandlungszeitraum von sechs Wochen verändert hatten. Dabei zeigte sich: Die mediterrane Ernährungsweise schien sich ebenso positiv auf die Beschwerden auszuwirken wie die gängige arzneibasierte Therapie - tatsächlich wirkte sie sogar etwas besser.

So erreichten in der Medikamentengruppe rund 54 Prozent der Patienten eine klinische bedeutsame Reduzierung der Symptome. In der Mittelmeergruppe waren es rund 63 Prozent. Im Schnitt reduzierten sich die Beschwerden dabei um 30 Prozentpunkte in der Kontrollgruppe und um 40 bei den Patienten unter mediterraner Diät. Von der Mittelmeerkost profitierten die Betroffenen zusätzlich in weiterer Hinsicht, wie Zalvan betont: Sie verloren Gewicht und konnten ihre Blutdruck- und Cholesterinwerte verbessern.

Weniger Kosten und weniger Nebenwirkungen



Wie belastbar die Ergebnisse der Untersuchung sind, müssen weiterführende Studien erst noch zeigen. "Trotzdem legen unsere Resultate nahe, dass eine pflanzenbasierte Ernährungsweise eine mögliche Behandlungsoption bei Sodbrennen ist. Diese Form der Therapie vermeidet die mit der medikamentösen Behandlung verbundenen Kosten und Risiken und beschert den Patienten zusätzlich die allgemeinen gesundheitlichen Vorteile einer gesunden Ernährung", schließt das Team. (JAMA Otolaryngology, 2017;doi: 10.1001/jamaoto.2017.1454)
(The JAMA Network Journals/ Northwell Health, 08.09.2017 - DAL)

Montag, 4. September 2017

Telomerase – Telomer-Schutz - Anti-Aging


Telomerase – das Unsterblichkeitsenzym? 


In unserem Körper finden ständig Umbau- und Regenerationsprozesse statt, die Erneuerung der Körperzellen erfolgt dabei durch Zellteilung. Vor jeder Teilung muss eine Zelle die im Zellkern enthaltene DNA kopieren, sodass die entstehenden Tochterzellen über dieselben genetischen Informationen wie ihre Mutterzelle verfügen.





Menschliche Zellen teilen sich nicht unbegrenzt


Die DNA ist im Zellkern in Form von Chromosomen angeordnet. Ihre Enden werden als Telomere bezeichnet. Sie stellen einen bestimmenden Faktor im Alterungsprozess dar. Die Telomere sind nämlich wichtig für die Stabilität der Chromosomen bei der Reduplikation der DNA. Bei jeder Zellteilung werden sie allerdings um ein kleines Stück verkürzt, sodass die Chromosomen irgendwann ihre Stabilität verlieren und eine Zellteilung in der Folge nicht mehr möglich ist. Im Schnitt kann sich eine Körperzelle ungefähr 50-mal teilen, nachdem sie ihre Teilungskapazität aufgebraucht hat, erreicht die Zelle das Stadium der Seneszenz oder anders ausgedrückt: die Zelle ist alt geworden.
Alte Zellen hinken ihrer Arbeit hinterher


Seneszente Zellen sind dabei bis auf die fehlende Teilungsfähigkeit über einen langen Zeitraum voll funktionsfähig, sie verlieren aber zunehmend die Fähigkeit, genügend Energie zu produzieren und die im Zellmetabolismus nicht mehr benötigten Stoffwechselprodukte abzubauen und zu beseitigen. 


Die Länge der Telomere und die Anzahl seneszenter Zellen im Körper sind daher ein verlässlicher Maßstab für unser Alter und das Auftreten von Alterskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten und vielen anderen Alterungserscheinungen.



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Telomerase – das Unsterblichkeitsenzym


Stammzellen allerdings können sich unendlich oft teilen. Grund dafür ist ein Enzym namens Telomerase. Es ist in der Lage, die sich bei jeder Zellteilung verkürzenden Telomere wieder zu verlängern und lässt unsere Stammzellen sozusagen ewig leben. Mittlerweile wurde dieses Enzym auch in allen anderen Körperzellen gefunden, allerdings in weit geringerer Konzentration und damit auch geringerer Aktivität.
Die Telomerase-Aktivität ist über gezielte Nährstoffzufuhr beeinflussbar


Wie schnell unsere Zellen die Teilungsgrenze erreichen und wie schnell sich die Telomere verkürzen, hängt dabei neben unserer individuellen Genetik vor allem von uns selbst ab. Rauchen, Alkohol, Stress und ungesunde Ernährung machen die die Arbeit der wenigen Telomerase schnell zunichte, andererseits kennt die Wissenschaft mittlerweile einige Nährstoffe, mit der sich die Arbeit der Nährstoffe effektiv unterstützen lässt, wie etwa Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Quercetin oder Vitamin E.
Wirkstoffe des Astragalus können die Telomere wieder verlängern


Besonders vielversprechend sind die Wirkstoffe aus der Wurzel des Astragalus, wie etwa Astragaloside IV oder Cycloastragenol. Sie können die Aktivität der Telomerase dermaßen stimulieren, dass sie die Telomere nicht nur schützen, sondern sogar wieder verlängert können. Harvard-Forscher konnten im Tierversuch mit Mäusen Alterungsprozesse nicht nur stoppen, sondern sogar umkehren. Durch die Telomerase-Aktivierung kam es zu einer biologischen Verjüngung der Gehirnzellen, der Milz und der Fortpflanzungsorgane und das biologische Alter der älteren Nagetiere konnte deutlich herabgesetzt werden. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass kurze Telomere einen Hauptfaktor für die Alterung darstellen und dass es die Alterung selbst ist, die den menschlichen Körper nach und nach erkranken lässt.


Wie uns die neuesten Erkenntnisse der Altersforschung beweisen, können wir also durch eine optimale Nährstoffversorgung und Lebensführung bereits einiges tun, um unsere Telomere lang und unsere Zellen jung zu erhalten, doch wir sollten nicht vergessen, dass die Teilungsfähigkeit unserer Zellen zwar eine zentrale, aber eben nur eine von mehreren Rollen beim Älter werden spielt.

Sonntag, 3. September 2017

Sind Erdnuss-Allergien heilbar?

Sind Erdnuss-Allergien heilbar?


Eine Hyposensibilisierung könnte dauerhaft gegen die allergischen Reaktionen helfen

Nicht nur bei Heuschnupfen wirksam: Eine Hyposensibilisierung könnte auch bei Erdnuss-Allergien helfen. Eine Langzeitstudie mit allergischen Kindern zeigt: Mithilfe einer oral verabreichten Immuntherapie lässt sich die Allergie bei vielen Patienten erfolgreich unterdrücken - und zwar dauerhaft. So war ein Großteil der Kinder auch vier Jahre nach Therapieende noch allergiefrei. Bestätigen sich die Ergebnisse in weiteren Untersuchungen, könnte die lästige Nahrungsallergie künftig heilbar sein.

Zwischen einem und drei Prozent aller Kinder in Westeuropa und den USA sind heute gegen Erdnüsse allergisch - doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Warum Allergien wie diese zunehmen, ist bisher unklar. Diskutiert werden ernährungsbedingte Veränderungen der Darmflora, der Einfluss von Antibiotika und Umweltfaktoren wie Feinstaub oder Weichmacher.

Gewöhnung an Allergene


Während man Allergenen wie Pollen und Hausstaubmilben nur schwer aus dem Weg gehen kann, lässt sich der Kontakt zu allergieauslösenden Nahrungsmitteln relativ leicht vermeiden. Unter anderem aus diesem Grund gehört die Hyposensibilisierung bei solchen Allergien bisher nicht zur routinemäßigen Behandlung und wurde auch in der Forschung lange Zeit nicht näher untersucht.

Inzwischen mehren sich jedoch die Hinweise darauf, dass das Verfahren bei Nahrungsmittelallergien ebenso erfolgsversprechend sein könnte wie bei der Behandlung von Heuschnupfen und Co. So zeigen Studien, dass das Immunsystem etwa an in Erdnüssen enthaltene Allergene gewöhnt werden kann. Auf diese Weise kann der Kontakt mit den Nüssen einer Allergie nicht nur vorbeugen, sondern offenbar auch bei einer bereits entwickelten Allergie helfen. Unklar war bislang allerdings, ob dieser Effekt langfristig wirkt.


Genau das haben nun Wissenschaftler um Mimi Tang von der University of Melbourne in Australien untersucht. Für ihre Studie verabreichten sie 31 Kindern mit Erdnuss-Allergie über einen Zeitraum von 18 Monaten eine orale Immuntherapie gegen Erdnussallergene. Außerdem erhielten die zwischen ein und zehn Jahre alten Probanden sogenannte Probiotika. Diese Milchsäurebakterien sollen die natürliche Darmflora unterstützen und die Toleranzentwicklung fördern. Zum Vergleich erhielten 31 weitere allergische Kinder lediglich ein Scheinmedikament.

Um den Erfolg der Therapie zu überprüfen, begleiteten die Forscher die teilnehmenden Kinder vier Jahre lang weiter. Im Laufe dieser Zeit wurden der Konsum von Erdnüssen sowie mögliche unerwünschte Reaktionen anhand von Fragebögen dokumentiert. Zusätzlich überprüfte das Team den Therapieerfolg mittels Pricktest und der Bestimmung spezifischer Antikörper. Bei einem Teil der Probanden führten die Wissenschaftler zudem einen oralen Provokationstest durch, nachdem diese zuvor acht Wochen lang vollständig auf Erdnüsse verzichtet hatten.

Langfristige Erfolge


Das Ergebnis: Schon wenige Wochen nach der Therapie zeichnete sich ein Erfolg ab. Anders als bei Kindern, die lediglich das Placebo geschluckt hatten, gelang es bei einem Großteil der anderen Patienten, allergische Reaktionen zu unterdrücken.

Doch würde dieser Effekt von Dauer sein? Bei der Langzeit-Auswertung nach vier Jahren, die noch bei jeweils 24 Kindern aus beiden Gruppen durchgeführt werden konnte, zeigte sich: 16 Kinder aus der Therapiegruppe waren offenbar allergiefrei geblieben - das sind 67 Prozent. In der Placebo-Gruppe war die Allergie dagegen nur bei einem Kind verschwunden.

Beim Provokationstest ergab sich ein ähnliches Bild: Sieben von zwölf Probanden, die hyposensibilisiert worden waren, zeigten keine Reaktion beim plötzlichen Kontakt mit den Erdnussallergenen. In der Kontrollgruppe reagierte lediglich eines von fünfzehn Kindern nicht.

"Wichtiger Fortschritt"


Trotz der vergleichsweise kleinen Patientenzahl und weiteren Einschränkungen der Studie deuten Experten die Ergebnisse als erfolgversprechend: 

"Sie weisen erstmals darauf hin, dass die spezifische orale Immuntherapie in Kombination mit Probiotika allergische Reaktionen auch längerfristig nach Therapieende wirksam unterdrücken kann", heißt es in einer Mitteilung des Allergieinformationsdienstes.

 Dies sei ein wichtiger Fortschritt im Hinblick auf das Ziel, bei Nahrungsmittelallergien eine immunologische Toleranz zu erzeugen. (The Lancet Child & Adolescent Health, 2017;doi: 10.1016/S2352-4642(17)30041-X)