Montag, 20. Februar 2017

Curry-Inhaltsstoff wirkt ähnlich wie Kortison – aber ohne die Nebenwirkungen

Kurkumin als Entzündungshemmer

(Quelle: Wicki)


Heilsames gelbes Pulver: Im Curry-Bestandteil Kurkuma steckt ein potenter Entzündungshemmer. Denn das Kurkumin fördert in Immunzellen die Ausschüttung eines Proteins, das Entzündungen unterdrückt. Damit wirkt es ähnlich wie Kortison, löst aber nicht dessen Nebenwirkungen aus. Auf Basis des Kurkumins könnten daher künftig neue Medikamente unter anderem gegen entzündliche Darmerkrankungen entwickelt werden.

Curry ist aus der asiatischen Küche kaum wegzudenken. Die Zusammensetzung des Currypulvers variiert dabei je nach Land und Geschmack, bei allen aber ist Kurkuma die Hauptzutat. Diesem auch als Gelbwurz bekannten Pulver werden schon länger heilende Kräfte nachgesagt. Tatsächlich belegen Studien, dass der Kurkuma-Inhaltsstoff Kurkumin gesundheitsfördernd wirkt und sogar die Symptome von Mukoviszidose lindert.


Kurkumin wirkt anti-entzündlich


Wie und warum das Kurkumin heilsam wirkt, haben nun Jessica Hoppstädter von der Universität des Saarlandes und ihre Kollegen näher untersucht. Für ihre Studie erforschten sie, welche Reaktionen das Kurkumin bei Makrophagen hervorruft – den Fresszellen des Immunsystems. "Wir konnten nachweisen, dass Kurkumin nicht nur unspezifisch wirkt, sondern ganz gezielt antientzündliche Wirkung entfaltet", berichtet Hoppstädter.

Die Versuche zeigten, dass Kurkumin ein bestimmtes Protein in den Makrophagen beeinflusst, das sogenannte Gilz (Glucocorticoid-induzierter Leuzin Zipper). Normalerweise unterbindet dieses Protein Entzündungsreaktionen. Kommt es im Körper aber dennoch zu einer Entzündung, verschwindet dieses Protein. "Bei einer Entzündung bauen die Immunzellen das Molekül ab“, erklärt Hoppstädter.


Produktion von heilsamem Protein angekurbelt


In den Zellversuchen zeigte sich: Das Kurkumin wirkt deshalb entzündungshemmend, weil es die Nachproduktion des Gilz-Proteins anregt. Dadurch ist trotz des Proteinabbaus in den Makrophagen noch immer genügend Gilz vorhanden, um die Entzündungsreaktion zu hemmen, wie die Forscher berichten.

Auf den ersten Blick betrachtet wirkt der Curry-Inhaltsstoff damit ähnlich wie Kortison-Präparate. Denn auch diese regen Zellen zu einer verstärkten Produktion des Gilz-Proteins an. Das jedoch ist oft mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. 

"Kurkumin führt ebenfalls dazu, dass speziell Gilz induziert wird, jedoch mit einem ganz anderen Mechanismus als Kortison", sagt Hoppstädter. Das könnte bedeuten, dass auch die Kortison-typischen Nebenwirkungen entfallen.

Die Heilkraft des Kurkumins könnte zukünftig  nützlich werden: "Es handelt sich hier zwar um Grundlagenforschung, aber diese könnte die Basis dafür sein, künftig Medikamente zu entwickeln, die keine oder weniger Nebenwirkungen als Kortison haben", so die Forscher. 

So könnten auf Basis des Kurkumins nebenwirkungsarme Medikamente gegen entzündliche Erkrankungen wie Morbus Crohn entwickelt werden. 

(Journal of Biological Chemistry, 2016; doi: 10.1074/jbc.M116.733253)



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Hoch-Intensitäts-Training: Weniger ist mehr

Hoch-Intensitäts-Training: Weniger ist mehr



Fitness im Schnelldurchgang: Beim Hoch-Intensitäts-Intervall-Training (HIIT) wechseln sich kurze, möglichst anstrengende Phasen mit Erholungspausen ab. Doch wie viele Wiederholungen bringen dabei den besten Effekt? 

Das haben Forscher nun für eine spezielle Form des HIIT untersucht. 

Das überraschende Ergebnis: Die Fitness profitiert von wenigen Intervallen am meisten - zu viele Wiederholungen wirken dagegen kontraproduktiv.

Wer fit werden will, muss Einsatz zeigen: Vor allem für eine gute Grundlagenausdauer sollte man regelmäßig und lange genug trainieren. Sporteinheiten unter 30 Minuten bringen beim Joggen, Radeln und Co in Sachen Fitness kaum etwas - so zumindest lautete lange Zeit das Credo. In den letzten Jahren aber ist diese Maxime ins Wanken geraten. Sportwissenschaftler sind sich heute einig: Auch kurzes, dafür aber heftiges Üben verspricht Erfolg und macht womöglich sogar schneller fit als herkömmliche Methoden mit moderater Belastung.

Das sogenannte Hoch-Intensitäts-Intervall-Training (HIIT) erfreut sich deshalb immer größerer Beliebtheit. Das Prinzip: Kurze Phasen nahe der persönlichen Belastungsgrenze wechseln sich mit kleinen Erholungspausen ab - und nach einigen Wiederholungen ist Schluss. "Diese Art des Trainings löst ein wichtiges Problem", sagen Forscher um Niels Vollaard von der University of Stirling. "Vielen Menschen fehlt für ausgedehnte Trainingseinheiten die Zeit. Mit HIIT müssen sie weniger Zeit investieren, erreichen aber trotzdem maximale Effekte."

Strampeln bis zur Erschöpfung


Doch wie viele Wiederholungen sind für den idealen Fitnesseffekt nötig? Und wird das Training mit zunehmender Intervallzahl effektiver? Dies haben Vollaard und seine Kollegen nun zumindest für eine bestimmte Form des HII-Trainings untersucht: dem Supramaximal-Intervall-Training, kurz SMIT. Bei dieser Methode trainieren die Sportler nicht nahe, sondern am Limit, erholen sich dafür aber länger.


Für ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler 34 Studien mit insgesamt 418 Teilnehmern aus. Alle beschäftigten sich mit SMIT-Training auf speziellen Fitnessfahrrädern, die besonders hohe Übungsintensitäten möglich machen. Der Fitnesszustand der Probanden wurde dabei anhand der maximalen Sauerstoffaufnahme gemessen. Sie gibt an, wie viel Sauerstoff der Körper bei voller Belastung verwerten kann und gilt als guter Indikator für die individuelle Ausdauerleistung.

Zwei Intervalle sind ideal


Die Analyse zeigte: Weniger ist bei dieser Form des Trainings offenbar mehr. Denn anders als erwartet, glänzten nicht diejenigen Sportler mit den besten Erfolgen, die beim Hoch-Intensitäts-Training möglichst viele Wiederholungen schafften. 

Ganz im Gegenteil: Vielmehr schienen weniger Intervalle pro Trainingseinheit mit besseren Ergebnissen in Zusammenhang zu stehen.

So fanden die Forscher heraus: 

Zwei Maximalsprints auf dem Fahrrad waren ideal. Jede zusätzliche Wiederholung hingegen reduzierte die individuelle Verbesserung in Sachen Fitness um rund fünf Prozent - ein erstaunliches Ergebnis. 

"Zum ersten Mal haben wir damit einen Beleg dafür, dass sich die Fitness bei weniger Wiederholungen stärker verbessert. Das heißt: Wir können das Work-Out getrost kurzhalten", sagt Vollaard.

Wie profitiert langfristig die Gesundheit?


Das könnte auch bedeuten, dass kurze HII-Trainingseinheiten für die Gesundheit ebenfalls von Vorteil sind. Denn eine gute Grundfitness senkt etwa das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wie sich diese Methode jedoch konkret auf die langfristige Gesundheit auswirkt, müssen künftig weitere Studien zeigen.

"Bereits jetzt planen wir zudem Untersuchungen, um die physiologischen Mechanismen hinter diesem unerwarteten Phänomen zu entschlüsseln", so Vollaard. 

"Unser Ziel ist es, die optimale Dauer und Anzahl an Sprintintervallen zu bestimmen, damit wir auch Menschen mit wenig Zeit dazu motivieren können, aktiver zu werden." (Medicine and Science in Sports and Exercise, 2017)