Sonntag, 27. August 2017

Hirse – ein Getreide gewinnt an Bedeutung

Hirse – ein Getreide gewinnt an Bedeutung


Hirse erlebt zur Zeit eine beeindruckende Renaissance. Ursprünglich spielte die Getreideart in Europa, besonders auch in Deutschland, in früheren Jahrhunderten eine sehr wichtige Rolle. Rispenhirse war ein viel beachtetes und geschätztes Getreide. Hirsebrei gehörte zu den Grundnahrungsmitteln. Märchen wie "Der süße Brei" der Brüder Grimm belegen die Bedeutung dieser Speise: „…nun waren sie ihrer Armut und ihres Hungers ledig...".

Erst durch ertragreichere Getreidearten und die Kultivierung der Kartoffel setzte der Rückgang des Hirseanbaus ein. Ein weiterer Grund war die aufkommende Sitte, Brot statt Brei zu verschiedenen Tageszeiten zu sich zu nehmen. Hirse als Nahrungsmittel geriet in Vergessenheit. Bekannt war nur noch die Kolbenhirse, an der in dem einen und anderen Haushalt ein Wellensittich gern knabbert.

Für die Welternährung spielt Hirse nach wie vor eine große Rolle: Ihre Produktion steht an sechster Stelle aller Getreide. Vor allem in den Tropen und Subtropen kommt der Pflanze auf Grund ihrer Anspruchslosigkeit, kurzen Reifezeit und Toleranz gegenüber Trockenheit und versalzten Böden ein beachtlicher Stellenwert zu.

Hierzulande gewinnt Hirse in den letzten Jahren wieder an Bedeutung, besonders seit Ernährungswissenschaftler viele hervorragende Eigenschaften herausgefunden haben. Bei zunehmenden Ansprüchen zur Abwechslung in der Gemeinschaftsverpflegung wie Kita- und Schulverpflegung, aber auch in der vegetarischen und glutenfreien Ernährung bietet Hirse wichtige Vorteile.


Die Inhaltsstoffe


Allen voran zeichnet sich Hirse durch ihren guten Nährstoffgehalt aus. Dabei werden die Inhaltsstoffe der Hirse gerne mit denen des Hafers verglichen, beide Getreidearten gehören botanisch zu den Rispengräsern.

Hirsekörner sind klein, meist rundlich und ohne Längsfurchen. Es gibt sie je nach Sorte in weißgrauer, gelber oder rotbrauner Farbvariation. 
Wegen der festen Verwachsung von Samenschale und verholzender Fruchtschale (botanisch: Karyopse) werden Hirsekörner geschält angeboten. Genau genommen sind Hirsekörner also keine Vollkornprodukte. Der Ballaststoffgehalt liegt dementsprechend niedriger (siehe Tabelle 1). Doch sind die Nährstoffe im gesamten Hirsekorn verteilt und nicht wie bei Vollkorngetreideprodukten vorzugsweise in den Randschichten (Frucht- und Samenschale).

Tabelle 1Hauptnährstoffe und ausgewählte Inhaltsstoffe in Hirse, Hafer, Weizen 
(Angaben je 100 g verzehrbarer Anteil)

Getreideart
Hirse
Korn entspelzt
Hafer
Korn entspelzt
Weizen
Korn
Eiweiß
9,8 g
9,9 g
10,6 g
Fett, gesamt
3,9 g
7,1 g
1,8 g
davon: mehrfach ungesättigte Fettsäuren
1,9 g
2,9 g
0,8 g
Kohlenhydrate, verwertbare
68,8 g
55,7 g
59,5 g
Ballaststoffe
3,8 g
9,7 g
13,3 g
Quelle: Prof. Dr. I. Elmadfa u.a. (Hrsg.): Die große GU Nährwert Kalorientabelle 2012/2013, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München 2011, 1. Auflage


Das Eiweiß der Hirse ist ernährungsphysiologisch interessant wegen des Gehalts an essentiellen, d. h. lebensnotwendigen Aminosäuren. Bedeutsam ist z. B. der Gehalt an Leucin, einer Aminosäure, für die Kinder einen relativ höheren Bedarf als Erwachsene haben.
Hirse hat kein Klebereiweiß (Gluten). Das ist für an Zöliakie Erkrankte höchst bedeutsam, weil Hirse im Rahmen einer glutenfreien Ernährung sehr gut verzehrt werden kann. Dabei wird teilweise empfohlen, ganze Hirsekörner zu kaufen und diese selbst frisch zu vermahlen. Dies verhindert eventuelle Rückstände anderer Getreidemehle. 
Küchentechnisch bedeutet das Fehlen des Glutens, dass aus Hirse keine Teige hergestellt werden können, die Kleberstruktur brauchen, wie Hefe-, Brotteig usw.
„… Rührteig geht gerade noch so…“ laut Marketa Schellenberg, Gourmetköchin für Vollwertkost (UGB) (in: rhw praxis 2/2013, S. 17).

Nach Hafer hat Hirse den zweithöchsten Fettgehalt unter den Getreidearten mit dem bemerkenswerten Gehalt von 75 % einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren.
Leider ist Hirse dadurch auch nur eingeschränkt lagerfähig. Sie wird relativ schnell bitter, das enthaltene Fett wird ranzig (die negativen Geruchs-, Geschmacksabweichungen heißen „Off-Flavour“). Eine größere Vorratshaltung von Hirse ist daher nicht möglich.

Die Kohlenhydrate (Stärke) der Hirse verkleistern gut und haben dadurch ein hohes Dickungsvermögen. Infolgedessen haben Hirsespeisen häufig eine stark magenfüllende und sättigende Wirkung. 

Besonders hervorzuheben ist der Gehalt an dem Spurenelement Eisen mit 6,9 mg pro 100 Gramm geschälte Hirsekörner (siehe Tabelle 2. Zum Vergleich: 100 g entspelzte Haferkörner enthalten 5,8 mg Eisen). Dies macht Hirse so interessant für die vegetarische Ernährung und auch für eine Ernährung mit moderatem, qualitativ hochwertigem Fleischverzehr, wie sie in den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Verpflegung in Kitas und Schulen empfohlen wird. Die Eisenversorgung kann durch Verwendung von Lebensmitteln wie Hirse, Vollkorngetreide, Amaranth, Hülsenfrüchte und Gemüse gesichert werden. Dies insbesondere, wenn gleichzeitig Eisen- und Vitamin C-haltige Lebensmittel verzehrt werden und dadurch die Resorption (Aufnahme im Darm) des Eisens pflanzlicher Herkunft verbessert wird. 

Tabelle 2: Ausgewählte Mineralstoffe und Vitamine in Hirse, Hafer, Weizen 
(Angaben je 100 g verzehrbarer Anteil)

Getreideart
Hirse
Korn entspelzt
Hafer
Korn entspelzt
Weizen
Korn
Eisen
6,9 mg
5,8 mg
3,3 mg
Kalzium
10 mg
80 mg
33 mg
Magnesium
123 mg
129 mg
97 mg
Vitamin B1
0,43 mg
0,67 mg
0,46 mg
Vitamin B6
0,52 mg
0,96 mg
0,27 mg
Quelle: Prof. Dr. I. Elmadfa u.a. (Hrsg.): Die große GU Nährwert Kalorientabelle 2012/2013, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München 2011, 1. Auflage


Nennenswert für Hirse sind auch die mit den Vollkorngetreiden mithaltenden Werte des Mineralstoffs Magnesium und der Vitamine B1, B6. Die Zwerghirse Teff, aus deren nur ein bis 1,5 mm kleinen Körnern Mehl hergestellt wird, wird zusätzlich wegen ihres hohen Kalziumgehaltes gepriesen.


Hirse im Handel

Die vielen Hirsearten (weltweit über 600) werden in zwei Hauptgruppen eingeteilt: Echte-Hirsen und Sorghum-Hirsen. 

Die Echten Hirsen (auch Millet- oder Kleine Hirsen) haben kleine Körner (5 g Tausendkornmasse), Rispen- und Kolbenhirse zählen hierzu. 
Im Handel findet man die Produktbezeichnungen „Hirse“, „Gold-Hirse“ oder „Feinkorn Hirse“ und deren Erzeugnisse. Es handelt sich hierbei um Rispenhirse, deren gelbe oder rote Fruchtschalen abgetrennt wurden. Sie wird vorzugsweise für Breigerichte verwendet.

Eine Besonderheit ist die Braunhirse, eine Wildform der Rispenhirse, um deren Kultivierung sich einige Öko-Bauern bemühen. Ihre Samen und das Mahlgut sind braun. Bei ihr sind die Schalen verzehrbar, d.h. die Samen müssen nicht geschält werden. Interessanterweise ist die Braunhirse zwar glutenfrei, aber dennoch backfähig. Es lassen sich sowohl Klöße und Bratlinge als auch mit Backferment oder Hefe gelockertes Gebäck zubereiten. Braunhirse wird als ganzes Korn und auch als Mehl angeboten. Eine auf Grund ihres hohen Kieselsäuregehaltes vorhandene Heilwirkung der Braunhirse gilt als nicht glaubwürdig. 

Die feingliedrigste Form aller Hirsearten ist die Teff-Hirse. Die kleinen Samen bringen eine Mehlausbeute von 90 %. Im Naturkostfachhandel wird Teff-Mehl für glutenfreie Backwaren angeboten. 

Die Sorghum-Hirsen zeigen deutlich größere Körner (17 bis 22 g Tausendkornmasse) und höhere Erträge. In Deutschland werden sie versuchsweise in trockenen Lagen angebaut zur Verwendung als Silage in der Tierfütterung oder als Biogassubstrat.


Hirse in der Küche


Vor mehr als 8000 Jahren sind wohl auf der Basis von Hirse ungesäuerte Fladenbrote hergestellt worden (nachweisbare Ursprünge im Mittelmeerraum und in China), womit Hirse als das älteste Getreide gilt. Die Bezeichnung stammt aus dem Mittelhochdeutschen „hirsi“, das urverwandt ist mit der Göttin der Feldfrüchte „Ceres“.

Hirse ist eine Bereicherung für die Küche und ein guter Bestandteil der vollwertigen Ernährung und insbesondere der vegetarischen Ernährung. 
Aus ihren diversen Produkten wie Körner, Flocken, Graupen, Grieß oder Mehl lassen sich sowohl pikante Mahlzeiten als auch leckere Süßspeisen zubereiten. Hirsekorn verwandelt sich in Bratlinge, Hirsottos, Aufläufe und Gratins. Hirseflocken und -schrot können Zutat von Müslis und anderen Frühstückscerealien sein, passen als Bestandteil von Milchbrei, Suppen, Klößen oder Soufflés und können Zusatz von Plätzchen und Kuchen sein. 
Hirsekörner werden, je nach Gericht, in der doppelten bis dreifachen Menge an Flüssigkeit gegart. Die Garzeit beträgt etwa 20 Minuten, wobei man die Hirse in den letzten zehn Minuten bei abgeschalteter Herdplatte ausquellen lassen kann.




Rezeptideen:


Hirseanbau - auch wieder in Deutschland


Bis 2004 beruhte das Angebot ausschließlich auf Importen aus Ländern wie den USA, Kanada, China, Ungarn, Österreich oder auch Russland. Diese Situation war insofern unbefriedigend, da Rispenhirse bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland (vorwiegend in den südlichen Gebieten der Mark Brandenburg) ein einheimisches Getreide und Grundnahrungsmittel war. 
Ein Forschungsprogramm der Humboldt-Universität brachte die nötigen Erkenntnisse für die Wiedereinführung des Hirseanbaus in Deutschland. Es gelang, ein Hirsekorn mit hervorragenden kulinarischen Eigenschaften zu erzeugen, mit kurzen bis mittleren Kochzeiten und einem sehr milden Geschmack.
In Bio- und Naturkostläden kann man nun unter dem Label „Spreewälder Hirsemühle“ verschiedene Hirseprodukte deutscher Herkunft erwerben.


Verwendete Literatur
  • Hans-Konrad Biesalski u.a. (Hrsg.): Ernährungsmedizin, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2004, 3. Auflage
  • Prof. Dr. I. Elmadfa u.a. (Hrsg.): Die große GU Nährwert Kalorientabelle 2012/2013, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München 2011, 1. Auflage
  • Robert Ebermann, Ibrahim Elmadfa: Lehrbuch Lebensmittelchemie und Ernährung, Springer Verlag ,Wien 2011, 2. Auflage
  • Wolfgang Franke: Nutzpflanzenkunde, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1976
  • Andrea Hiller: Köstlich essen bei Zöliakie, TRIAS Verlag in MVS Medizinverlage, Stuttgart 2011, 2. Auflage
  • Lindemann, Kathleen: Warum werden Quinoa und Co. immer beliebter? (Interview mit Marketa Schellenberg), in: rhw praxis – Ernährungsformen und Prävention, Verlag Neuer Merkur GmbH 2013, rhw praxis 11. Jg, 2/2013, S. 16-17
  • Gerald Rimbach,Jennifer Möhring, Helmut F. Erbersdobler: Lebensmittel-Warenkunde für Einsteiger, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 2010
  • Waldemar Ternes u.a. (Hrsg.): Lebensmittel-Lexikon, B. Behr’s Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg 2005, 4. Auflage
  • Spreewälder Hirsemühle (Hrsg.): Der Weg zur Wiederinkulturnahme der Rispenhirse (Informationen zum Forschungsprogramm, zu Anbau und Produkten), im Internet unter www.hirsemuehle.de (Zugriff 05.08.2013)
  • M. Wenndorf, W. Franz: Braunhirse im Zwielicht, in: UGB-Forum 5/2004, S. 252-253
  • Waltraud Becker: Korngesund - Das Getreide-Handbuch, emu-Verlags- und Vertriebsgesellschaft, Lahnstein 2005

Mittwoch, 23. August 2017

Heilmittel aus der Natur: Ein Zuckerkettenmolekül aus Braunlagen könnte gegen Arthritis wirken.



Algenzucker gegen Arthritis?


Polysaccharid aus Braunalgen könnte Knorpelabbau in den Gelenken stoppen




(Quelle: Wicki)


Heilmittel aus der Natur: Ein Zuckermolekül aus Braunlagen könnte gegen Arthritis wirken. Das chemisch modifizierte Algenprodukt wirkt in Zellkulturen entzündungshemmend und unterdrückt die Immunreaktion gegen Knorpelzellen, wie eine Studie zeigt. Sollte sich diese Wirkung in Tierversuchen und klinischen Studien bestätigen, könnte das Algenmittel den Abbau des Gelenkknorpels bei Arthritis stoppen oder zumindest verlangsamen.

Bis zu 90 Prozent aller über 65-Jährigen leiden unter einer Arthritis – einer entzündlichen Gelenkerkrankung, die zum Knorpelabbau in den Gelenken führt. Fehlt die schützende Knorpelschicht, stoßen die Knochen direkt aufeinander und dies verursacht heftige Schmerzen. Doch bisher gilt die Arthritis als unheilbar. Gängige Behandlungsmethoden wie Entzündungshemmer und Schmerzmittel bekämpfen in erster Linie die Symptome. Als letzter Ausweg hilft dann oft nur noch eine Operation, bei der das betroffene Gelenk durch ein künstliches ersetzt wird.

Algenzucker mit Sulfatanhängen


Doch jetzt gibt es vielleicht Hoffnung auf eine wirksame Therapie. Marcy Zenobi-Wong von der ETH Zürich und ihre Kollegen haben eine Natursubstanz entdeckt, die den Knorpelabbau in den Gelenken stoppen könnte. Dabei handelt es sich um ein aus den Stielen des Palmentangs (Laminaria hyperborea) gewonnene Polysaccharid. Dieses Alginat ähnelt von Natur aus bestimmten extrazellulären Biomolekülen aus Knorpelgewebe. 

Von einigen Biopolymeren ist bekannt, dass sie entzündungshemmend wirken können und auch dem oxidativen Stress in Zellen entgegenwirken. Die Idee der Forscher: Vielleicht könnte diese Substanz im Gelenk ähnlich wirken. Um das testen, setzten sie Zellkulturen von Knorpelzellen entweder Alginat zu oder eine chemische modifizierte Variante, bei der sie zusätzliches Sulfat ins Molekülgerüst des Zuckers eingebaut hatten.

Wirkt gegen Entzündungen und Zellstress


Das Ergebnis: Das modifizierte Alginat wirkte tatsächlich entzündungshemmend und antioxidativ. Je mehr Sulfatgruppen an das Alginatmolekül angehängt waren, desto potenter war diese Schutzwirkung des Algenprodukts, wie die Forscher berichten. Sowohl in menschlichen Knorpelzellen, als auch in Makrophagen hemmte das Alginatsulfat die Aktivität von Genen, die eine Entzündungsreaktion auslösen. 

"Die sulfatierten Alginate schützen demnach in vitro effektiv gegen Entzündungen und oxidativen Stress", so Zenobi-Wong und ihre Kollegen. "Sie sind damit ein vielversprechendes Biomaterial für die Behandlung der Osteoarthritis." Das Algenmittel könnte damit vielleicht den Abbau der Gelenkknorpel bei Arthritis verlangsamen, vielleicht sogar stoppen.

Nächster Schritt: Tierversuche


Allerdings: Bisher haben die Forscher diese Wirkung der Alginatsulfate nur im Labor mit Zellkulturen untersucht. Ob das Mittel auch beim Menschen hilft, ist daher noch offen. Als nächstes wollen Zenobi-Wong und ihre Kollegen die Substanzen im Tierversuch testen. Ist auch dies erfolgreich, könnten anschließend klinische Studien mit Testpersonen folgen. 

Sollte sich die positive Wirkung des Alginats auch beim Menschen bestätigen, könnte damit endlich ein wirksames Mittel gegen den Knorpelabbau gefunden sein. Doch bis dies geklärt ist, werden noch einige Jahre vergehen, wie die Forscher betonen. (Biomaterials Science, 2017; doi: 10.1039/c7bm00341b)

Donnerstag, 17. August 2017

Artemisia annua als Heilpflanze

Artemisia annua als Heilpflanze 


Die Vergabe des Medizin-Nobelpreises 2015 wird in manchen Kreisen als großartige Entscheidung für die Pflanzenheilkunde aufgefasst. Es sei bemerkenswert und ein großes Glück für das gesamte Feld der Phytomedizin, dass der Naturstoff Artemisinin durch die Preisverleihung ins Scheinwerferlicht der akademischen und der allgemeinen Öffentlichkeit gelangt ist, sagt Univ.-Prof. Dr. Thomas Efferth von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). 
Das Nobelkomitee habe mit seiner Entscheidung die Naturstoffe in den Fokus gerückt und damit ein wichtiges Signal für künftige Forschungsfelder und Aufgaben gegeben, erklärt der Mainzer Wissenschaftler, der selbst auf dem Gebiet arbeitet.
Artemisinin ist nicht nur für die Malaria-Behandlung bedeutend, sondern auch ein vielversprechender Wirkstoff für die Krebstherapie.
Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, so die vollständige Bezeichnung, ging 2015 zur Hälfte an William C. Campbell und Satoshi Ōmura für ihre Arbeiten zur Behandlung von Infektionen, die durch Fadenwürmer ausgelöst werden, mit einem Wirkstoff auf der Basis von Avermectin aus Bakterienkulturen.
Zur anderen Hälfte ging der Preis an die chinesische Wissenschaftlerin Youyou Tu für ihre Entdeckungen zur Therapie von Malaria. Youyou Tu hatte Heilkräuter untersucht, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seit über 2000 Jahren für die Therapie von Fieber und Erkältungen eingesetzt werden. Sie entdeckte dabei, dass Auszüge von Einjährigem Beifuß (Artemisia annua) mit seinem Wirkstoff Artemisinin effektiv gegen Malariaerreger angewendet werden können.
Eine beträchtliche Anzahl von Arzneistoffen für die klinische Praxis werde heute schon aus natürlichen Ressourcen gewonnen. Avermectin und Artemisinin seien zwei wunderbare Beispiele dafür, sagt Efferth:
„Wir sind zuversichtlich, dass die Nobelpreis-Vergabe zur Förderung der Phytomedizin beiträgt und wir in Zukunft weitere Anwendungen sehen werden.“
Efferth selbst forscht seit etwa 20 Jahren auf diesem Gebiet und konnte gleichzeitig mit Forschern in den USA und den Niederlanden Mitte der 1990er Jahre erstmals zeigen, dass Artemisinin auch bei Krebs wirksam ist. Eine neuere Studie erfolgte in Zusammenarbeit mit Medizinern der University of London und kam zum Schluss, dass Derivate von Artemisinin tatsächlich die Lebenszeit von Patienten mit Darmkrebs verlängern können. 
„Wir haben damit den klinischen Nachweis erbracht. Aber wir müssen Artemisia annua noch weiter entwickeln und ein Profil erstellen, bei welchen Tumorarten die Substanz wirksam ist“, sagt Efferth. Artemisia scheint jedoch nicht nur bei Krebserkrankungen von Nutzen zu sein, sondern auch bei Infektionen mit dem humanen Cytomegalie-Virus (HCMV) und anderen Virusinfektionen sowie bei Bilharziose.
Artemisia annua, der Einjährige Beifuß, zählt zu einer Gattung mit über 200 Arten weltweit, ist jedoch nicht mit dem in Mitteleuropa verbreiteten Ackerunkraut, dem Gemeinen Beifuß (Artemisia vulgaris), zu verwechseln.
In der Pharmazeutischen Biologie der Universität Mainz erforscht ein internationales Team von 20 Mitarbeitern Pflanzeninhaltsstoffe von Heilpflanzen aus 30 Ländern auf ihre Wirksamkeit gegen Krebs.
Quelle:
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
http://www.journalmed.de/newsview.php?id=46784


Aktuelle Studien zu Artemisia: Neue Hoffnung in der Krebstherapie

Der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) hat im Westen in den 1970-er-Jahren vor allem durch seine spektakuläre Wirkung bei Malaria Aufmerksamkeit erlangt. Doch diese Heilpflanze kann weit mehr: In China wird sie bereits seit Hunderten von Jahren erfolgreich gegen Parasiten, Bakterien, Viren und Pilze sowie zur Stabilisierung des Immunsystems eingesetzt. Neueste Studien weisen nun darauf hin, dass Artemisia annua sogar bei Diabetes und Krebs erfolgversprechende Wirkung zeigt.
 Artemisia annua, ein Verwandter unseres gewöhnlichen Beifußes (Artemisia vulgaris), hat seine steile Karriere vor allem der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zu verdanken – und zwar als Anti-Malaria-Pflanze. So suchte China im Vietnamkrieg fieberhaft nach einem Mittel gegen jene Infektionskrankheit, die Tausende von Vietkong-Soldaten dahinraffte. Mehr als 500 Wissenschaftler wurden damals für dieses militärische Geheimprojekt freigestellt.
1969 fand die Professorin Youyou Tu schließlich in alten Schriften aus dem dritten Jahrhundert einen Hinweis auf „Quing Hao“ – so heißt Artemisia annua auf Chinesisch: Ein wundersames Kraut, welches angeblich das Wachstum der Malaria-Parasiten ausbremsen sollte. Youyou Tu testete damals das beschriebene Extrakt an malariakranken Mäusen und stellte fest: Die Erreger der Malaria wurden zu hundert Prozent getötet! Für die Entdeckung des Artemisinins wurde Youyou Tu 2015 mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt. Mittlerweile gilt das Kombinationspräparat auf Artemisinin-Basis weltweit als das Anti-Malaria-Medikament und hat Millionen von Menschen das Leben gerettet.

•    Den vollständigen Beitrag können Sie im Augustheft 2017 lesen.


Wie geht es weiter mit Artemisia annua


In der Schweiz und in der EU ist Artemisia annua nicht als Heilpflanze zugelassen (nur Artemisia vulgaris als Gewürz). Es wäre aber spannend, in kleinem Rahmen und auf freiwilliger Basis weiter zu forschen und die Wirksamkeit dieser Pflanze zu belegen. Bisher sind weder bei mir noch in meinem Umfeld Nebenwirkungen aufgetreten.


Haben Sie Interesse?

Falls Sie Interesse an diesem Thema haben, würde ich mich freuen von Ihnen zu hören.

Ausgewählte Studien zu Artemisia annua (hauptsächlich englisch)


5 Tipps zum Abnehmen mit der Acai-Beere

5 Tipps zum Abnehmen
mit der Acai-Beere


Samba, Sonne, Schönheitsköniginnen – vielerorts gelten Brasilianer als Vorreiter in Sachen sexy Kurven. Wie schaffen die Südamerikaner das? Sie setzen unter anderem auf exotische Diäten. Während in Europa zum Beispiel die so genannte „Acai-Beere“ kaum jemandem bekannt ist, nutzen viele Brasileros sie seit Jahrzehnten für scharfen Kurven.
Nach Brasilien setzen nun auch die USA auf die exotische Wunderfrucht: die Acai-Beere. In Deutschland gilt das Obst noch als Geheimtipp, während brasilianische Schönheiten seit Jahrzehnten auf Diäten mit den runden Früchtchen schwören. EATSMARTER hat sich auf die Fährte der Acai-Beere begeben und festgestellt: Die Früchtchen verlocken zum Abnehm-Test, sind aber kaum in Deutschland zu finden.

1. Woher kommt die Acai-Beere?

Die Acai-Beere ist in Deutschland bekannt als Kohlpalmen-Beere. Die südamerikanische Palmenart wird vor allem in Brasilien angebaut. Die Brasileros nutzen nicht nur die Beeren, sondern auch die Palmherzen als Nahrungsmittel. In Südamerika heißt die Palme übrigens „açaizeiro“, die Frucht „açaí“ – daher stammt der exotische Name.


2. Wie sieht eine Acai-Beere aus?

Die leckeren Steinfrüchte sind rund und haben einen Durchmesser von etwa einem bis zu zwei Zentimetern – sie sind damit etwas kleiner als eine Kirsche. Die Beeren glänzen purpur-schwarz oder grün, innen verstecken sie kugelige Samen.


3. Wieso hilft die Beere beim Abnehmen?

Die Acai-Beere lässt Experten zufolge die Kilos in kurzer Zeit purzeln, weil sie den Hunger mindert und so hervorragend Fettpölsterchen verbrennen. Allerdings sind das nicht die einzigen Vorteile der Frucht: Sie soll zusätzlich dabei helfen, Giftstoffe aus dem Körper auszuschwemmen und sorgt dadurch für ein vitaleres Leben.  
Verfechter der Acai-Diät gehen sogar so weit zu sagen, dass die Beere die Frucht mit der besten antioxitativen Wirkung aller Obst- und Gemüsesorten ist. Zudem enthält sie ungesättigte Omega-Fettsäuren, die sich positiv auf ein reines Hautbild und das Gefäßsystem auswirken.

4. Wie viel nimmt man mit der Acai-Beere ab?

In manchen Foren ist die Rede davon, dass mit Hilfe der Acai-Diät innerhalb von zwei Wochen sechs Kilogramm gepurzelt sind. Wie bei jeder Diätform ist der Gewichtsverlust allerdings davon abhängig, wie konsequent man die Diät umsetzt und wie der eigene Körper darauf reagiert.

5. Woher bekomme ich die Acai-Beeren?

Leider sind die Früchtchen in Deutschland ziemlich teuer - sie müssen extra importiert werden. Günstige Angebote finden sich kaum oder nur in minderer Qualität. Daher wird oft auf Acai-Pulver (z.B. hier bei Amazon erhältlich) zurückgegriffen, welches sich hervorragend in Smoothies und Früchtebreis verarbeiten lässt.

Mittwoch, 2. August 2017

Geißraute: Appetitzügler

Geißraute: Appetitzügler "Herba Galegae" hilft beim Abnehmen

Gegen Übergewicht ist ein wirksames Kraut gewachsen: Herba Galegae, die Geißraute. Herba Galegae wächst natürlich als 50-90 Zentimeter hohe Staude auf feuchten Wiesen in Südeuropa und in Vorderasien.
Aufgrund der vielen positiven Wirkungen der Geißraute wird es heutzutage aber auch zunehmend für medizinische Zwecke angebaut.
Das Kraut der Geißraute enthält als Hauptwirkstoff das Galegin, wie auch der lateinische Name Galegae schon bezeichnet. Galegin ist das erste Glukokinin, das aus einer Pflanze isoliert werden konnte.
Es hat einen Insulin sparenden Effekt und bewirkt über den Nervus Vagus eine anhaltende Blutzuckersenkung sowie eine Verminderung der Harnzuckerausscheidung. Ein hoher Insulinspiegel verhindert den Abbau von Fettreserven, begünstigt den Aufbau von neuem und steigert so den Appetit. Genau diesem Problem wirkt das Galegin entgegen.


(Quelle: Wiki)

Geißraute: Galegin dämpft spürbar den Appetit


Die Bitterstoffe in der Heilpflanze Herba Galegae dämpfen zusätzlich auf natürliche Weise das Hungergefühl und aktivieren darüber hinaus den Stoffwechsel und die Verdauung. Geißraute erhalten Sie in Apotheken als Teekraut zur Zubereitung eines Teeaufgusses.
Nehmen Sie pro Tasse 1 gehäuften Teelöffel Geißrautenkraut und übergießen es mit heißem Wasser. Etwa 5 Minuten ziehen lassen und in kleinen Schlucken trinken.
Ärzte empfehlen, die erste Tasse bereits morgens vor dem Frühstück zu trinken, danach jeweils eine Tasse vor den Mahlzeiten.
Den Geißrautentee gibt es in Apotheken auch in Kapselform. Die Kapseln sind zwar bequem für unterwegs oder im Büro, aber leider viel zu teuer!


Herba Galegae: Der besondere Schlankheits-Tee

Wenn Sie ohnehin gerne Tee trinken, dann bereiten Sie sich doch einen wohlschmeckenden Kräutertee zu: Mischen Sie einfach Ihren Lieblingstee, vielleicht Rooibos-Vanille, mit der entsprechenden Menge Geißrautenkraut und trinken Sie diesen Tee über den Tag verteilt.
Aufgrund seiner Blutzucker senkenden Wirkung dämpft der Tee wirksam Heißhungergefühle, besonders auf süße Naschereien. Mit Rooibos-Vanille gemixt ergibt sich sogar ein super-leckerer Appetitzügler. Probieren lohnt sich.
Falls Sie an weiteren Tipps von mir zum Abnehmen interessiert sind, finden Sie unterhalb des Artikels auch einer meiner Bücher zu diesem Thema.
Viel Erfolg beim Anwenden von Herba Galegae / Greißraute zum Abnehmen!