Dienstag, 29. April 2014

Karotte - oft unterschätzt



Karotte




Nur wenige wissen vom enormen Potential der Karotten. Sie sind nicht nur ernährungsphysiologisch bedeutsam, sondern haben breit angelegte, heterogene Heilwirkungen.


Ergebnis vieler Kreuzungen


Die Mutter aller Möhren ist die Wilde Möhre (Daucus carota L.). Sie gehört zur Familie der Doldenblütler (Umbelliferae) und ist in Asien und Europa beheimatet. Sie wächst auf mageren, trockenen Böden, im Berg- und Flachland an Straßen- und Wegrändern. Die Pflanze ist unübersehbar und kann bis zu einem Meter hoch aufschiessen. Sie hat weisse oder rosafarbene vielstrahlige Dolden, ihre Blätter sind fiederteilig zerschlitzt und haben haarfeine Zipfel. Sie blüht von Mai bis Oktober und entwickelt zwei bis vier Millimeter lange Früchte, die länglich-eiförmig aussehen. Ihre Wurzel ist rübenförmig, holzig, innen und aussen weiss. Die wilde Möhre hat mit der modernen, orangefarbenen und stark carotinhaltigen Möhre nur noch wenige Gemeinsamkeiten. 

Wie die heutige Möhre entstand, aus welchen Kreuzungen oder Mutationen sie hervorging, darüber sind sich Botaniker nicht einig. Eine Theorie, die häufiger kolportiert wird, geht davon aus, dass sich unsere Möhre in mehreren Mutationsschritten entwickelte. Im 10. Jahrhundert sollen afghanische Wildmöhren mit purpurroter Wurzel (Anthocyane, wasserlösliche Pflanzenfarbstoffe) in den Mittelmeerraum gelangt sein und dort gelbe Mutanten entwickelt haben. Im 14. und 15. Jahrhundert sollen weiße, rote und gelbe Sorten nach Mitteleuropa gelangt sein. 

Die heutige, orange Möhre, die weltweit Verbreitung findet, entwickelte sich aus der Weissen Möhre und ist ein Zuchtergebnis des 20. Jahrhunderts. Die Möhre, Karotte, Wurzel oder Gelbe Rübe wie sie auch genannt wird, gehört zu den wichtigsten Gemüsepflanzen. 
Ihre Beliebtheit beruht auf dem süsslichen, milden Geschmack und den wertvollen Inhaltstoffen. 

Möhren werden als Nahrungsmittel zu Nass-, Gefrierkonserven, Trockenprodukten und Säften verarbeitet. 

Für die Pharmaindustrie sind sie wegen der medizinisch wirksamen Inhaltstoffe Grundlage verschiedener Präparate.




Die wichtigsten Inhaltsstoffe...


Möhren haben eine ganze Reihe von medizinischen wirksamen Inhaltsstoffen (untersucht wurden praktisch nur kultivierte Karotten, bzw. deren Extrakte). 

Die wichtigste Gruppe sind die Carotinoide. 

Das ist eine Gruppe von, im Pflanzen- und Tierreich weit verbreiteter gelber und roter Farbstoffe. Chemisch sind es hochungesättigte, teilweise gradkettig, teilweise gradkettig-ringförmig aufgebaute Kohlenwasserstoffe und deren Sauerstoffverbindungen. 
Die überragende physiologische Bedeutung der Carotinoide liegt in ihrer Beteiligung an der Energieübertragung bei der Photosynthese, sowie der Funktion, Zellen vor schädigendem Lichteinfluss zu schützen, und bei der Untergruppe der Carotine in ihrer Funktion als Provitamin (=inaktive Vitamin-Vorstufe). Bekannte Möhren-Carotine sind Betacarotin (Provitamin des lebensnotwendigen Vitamin A1, auch Retinol genannt, wird in der Leber zu Vitamin A umgebaut) oder Lycopin (ein krebsschützender Inhaltsstoff, der besonders auch bei Tomaten vorkommt). 

Die Menge der ätherischen Öle (z. B. Limonen), die in der Möhre enthalten sind, ist - zumindest bei der Wurzel, nicht aber den Samen - eher gering für therapeutische Wirkungen. Trotzdem wurden sie gerne in Kombination mit anderen ätherischen Ölen verwendet, z. B. für Bronchial-Inhalationskapseln. 

Die Gruppe der Polyine, das sind hoch-reaktive, instabile Kohlenstoffverbindungen mit mehreren Dreifachbindungen, ist in letzten Jahren besonders in den Focus wissenschaftlicher Aufmerksamkeit geraten. Ihr Hauptvertreter bei der Möhre, das Falcarinol (auch Carotatoxin genannt) schützt die Möhre vor Pilzbefall, ist also ein natürliches Pestizid. 

Bei Säugetieren, so zeigen aktuelle Untersuchungen, kann Falcarinol die Krebsentstehung aus Krebsvorläufern (Präkanzerose) hemmen. Dies ist eine späte Bestätigung für eine Anwendung von Möhren bei der Behandlung von offenen Tumoren in vergangenen Jahrhunderten. Hinweis: Auch die Superheilpflanze Kamille hat höhere Anteile ähnlicher Polyine. 

Der hohe Gehalt an Zuckerverbindungen aus den Gruppen der Mono- und Oligosaccharide, z. B. Glucose (Traubenzucker) oder Saccharose (Rohrzucker), ist zwar kaum therapeutisch bedeutsam, bietet aber eine ernährungsphysiologische Erklärung, warum Möhren bei uns zumeist das erste Lebensmittel überhaupt ist, das Babys beim oder nach dem Abstillen erhalten („nährstoffreich und verträglich fast wie Muttermilch“). 


Neben diesen pharmakologisch auffallenden Inhaltsstoffen haben Möhren einen hohen Anteil von Mineralstoffen, an Polysacchariden wie z. B. Pektin, für die menschliche Verdauungvorteilhaften Ballaststoffen oder Vitaminen der B-Gruppe und Vitamin C.


Haut und Möhre


Daucus carota hat eine mehrfache und besondere Beziehung zur menschlichen Haut. Die Vorstufen von Vitamin A sind wichtig für die Hautgesundheit. Fehlt das Vitamin, verhornen die Talgdrüsen, die Hautzellen regenerieren sich langsamer, die Haut trocknet aus, wird rissig, spröde und infiziert sich leichter. Die Möhrenfarbstoffe haben aber noch eine andere Wirkung. 
Diese ist besonders von Säuglingen oder Kleinkindern bekannt, denen Möhrensaft oder andere Karotten-Nahrungsmittel in gutgemeintem Übermaß verabreicht werden: Sie bekommen hierdurch bald eine kräftige, gelblich-/orange-bräunliche, jedoch völlig ungefährliche Färbung (Hypercarotinämie), die aber nicht ganz der durch normale Hautbräunung hervorgerufenen Melaninfärbung der Europäer gleicht. 

Gleiche Effekte hat die Möhre aber bei Erwachsenen. 

Wirkung: Die in die Haut eingelagerten Karottenfarbstoffe sehen nicht nur enorm gesund aus, sondern schützen die Haut ähnlich wie der natürliche Hautfarbstoff Melanin vor den schädigenden Wirkungen des Sonnenlichtes, besonders seiner UV-Anteile. Menschen, die wie die verstorbene deutsche Bundeskanzlergattin Hannelore Kohl an einer Sonnenallergie leiden, können somit die Haut künstlich bräunen und ertragen dadurch leichter den Aufenthalt in der Sonne. Entsprechende Präparate gibt es zum Eincremen aber auch zum Einnehmen.

Karottenmaske:

 





Karotte für die Augen



Bei der Wirkung der Möhre muss wie bei allen auch medizinisch wirksamen Lebensmitteln oder Gewürzen zwischen der primär nutritiven, durch die Lieferung von wertvollen Nahrungsbestandteilen bedingten Wirkung (z. B. Stimulation der Dickdarmaktivität durch Ballaststoffe) und den primär therapeutischen Wirkungen (z. B. durchfall-hemmende Wirkung der Möhren-Pektine) unterschieden werden. 

Klar ist: 

Zubereitungen aus der Möhrenwurzel begünstigen die Sehschärfe und das Dämmerungssehen (beugen Nachtblindheit vor), wirken vorteilhaft bei bestimmten Augenkrankheiten (Retinitis pigmentosa

und beeinflussen die Harnausscheidung positiv (wirken diuretisch, u. a. wegen des hohen Kaliumgehaltes). 

Weitere belegte Effekte: 

Möhrenzubereitungen wirken als Wurmmittel (Anthelmintika) und haben antimikrobielle Effekte. Die wurmtreibende (vermifuge) Wirkung ist vermutlich primär durch den Gehalt an ätherischen Ölen bedingt: Diese wirken auf die unerwünschten Darmbewohner zunächst leicht erregend und dann lähmend. Auch die bakterizide Wirkung, besonders auf grampositive Bakterien (z. B. die Erreger der Lungenentzündung - Pneumokokken), entsteht durch die ätherischen Öle der Möhre. 


In zahlreichen Untersuchungen der letzten Jahre sind eine Reihe weiterer potentiell therapeutischer Wirkungen bekannt geworden:

  • Möhrensamenöl beseitigt im Tierversuch bis zu 30% aller Helicobacter pylori-Infektionen des Magens (Ursache für Magengeschwüre, Sodbrennen etc.)
  • Schmerz- und entzündungshemmende Wirkstoffe der Samen wirken fast ebenso stark wie typische Schmerz- und Rheumamittel (Aspirin, Ibuprofen, Naproxen).
  • Möhren sind das drittwichtigste Lebensmittel mit krebspräventiver Wirkung (nach Paprika und Brokkoli), untersuchte Krebsarten u. a. Prostata-, Leberzell- oder Lungenkrebs.
  • Die Carotine aus frischen Möhren schützen vor hohen Blutzucker-Werten (Diabetes mellitus). Der Verzehr von Möhren führt nach dem Essen zu einer besseren „metabolischen Antwort“, d. h. verringert den Anstieg von Blutzucker und Insulinausschüttung, führt zu rascherem Sättigungsgefühl.
  • Saure Oligosaccharide in normaler Möhrensuppe machen es krankmachenden Bakterien unmöglich, sich an die Darmwand anzuheften und so eine Infektionskrankheit auszulösen.
  • Möhrensaft hat membranprotektive und antioxidative Effekte, wirkt deshalb leberschützend und hat unterstützende Heilwirkungen bei akuter Leberentzündung.
  • Frisch geriebene Karotten verbessern die Vitamin A- und Eisen-Werte im Blut stillender Mütter mindestens ebenso gut wie entsprechende Betacarotin-Präparate.
  • Möhren enthalten blutdrucksenkende Wirkstoffe ähnlich den oft eingesetzten Kalzium-Kanalblockern (führen zu Gefäßerweiterung).
  • Möhrensaft beeinflusst das Immunsystem, kann übermässige allergische Reaktionen und anaphylaktischen Schock unterdrücken (Tierversuch).
  • Möhrenkonsum mehr als 2x die Woche ist mit verringertem Brustkrebs-Risiko assoziiert. Unklar ist, ob dies kausal zusammenhängt, oder beides eher auf eine gesündere und damit schützende Lebensweise hindeutet.
  • Möhrensaft schützt die Magenschleimhaut vor alkoholbedingten Schäden (z. B. als Ursache von Magengeschwüren bei Alkohlkranken).
  • Die Heilnahrung aus Reis und Möhren nach Bessau ist bei massiven, akuten Durchfallerkrankungen von Säuglingen und Kindern wirksamer als herkömmliche Glukose-Elektrolyt-Lösungen gegen Dehydratation.



Daucus carota als Aphrodisiakum 



Die gelbe Rübe, gemeinhin Mohrrübe, Karotte wurde von den Griechen geradezu „philtron“ (Liebesmittel) genannt. Ihr Genuss sollte den Geschlechtstrieb auffällig steigern. 
Dioscurides: „Der Same getrunken oder in Zäpfchen eingelegt befördert die Menstruation, ferner befördert er die Empfängnis. Die Wurzel aber reizt zum Beischlaf, im Zäpfchen eingelegt wirft sie den Embryo hinaus." - Von den Römern übernahmen die Deutschen frühzeitig den Anbau der gelben Rübe (schon im Capitulare erwähnt). 

Auch bei uns galt sie sehr frühe als beliebtes Aphrodisiacum. So heisst es später bei Mattioli: „die gelben Rüben bringen die Lust zu ehelichen Werken. - Auch die andern Arten der Rüben (Kohlrüben, rote Rüben) füllen, blähen den Bauch und machen Begier zur Unkeuschheit“, und Der Rübensamen mit Theriack genommen, bewegt die unkeuschen Gelüste. 

Die Steckrüben (Kohlrüben), mit langem Pfeffer bestreut, erregen dasselbe“. 



Heutzutage wird auch noch in Oberägypten Karottensamen mit Honig gekocht als Stimulationsmittel gegessen. - Auch in Japan gelten die Rüben als hervorragendes Aphrodisiacum.






Gut zum Darm und zur Haut


Die traditionell berichteten Heilwirkungen oder die experimentellen Hinweise auf therapeutische Effekte werden heute in einigen bewährten Gesundheitsstörungen oder Erkrankung umgesetzt. 

In der Kinderheilkunde ist die Möhre ein bewährtes Mittel bei Mandelentzündungen, bei Ernährungsstörungen und als Diätetikum zur Heilung von Verdauungsstörungen. 



Beispiel: Der Pektingehalt (=eine langkettige Zuckerverbindung) ist vermutlich verantwortlich für die stopfende Antidurchfall-Wirkung der Möhre. Für dermatologische Indikationen wie polymorphe Lichtdermatosen („Sonnen-Allergie“) und Pigmentanomalien (Über- oder Unterpigmentierung, auch fleckförmig) sind Fertigarzneimittel in der Anwendung. 

Zum Austreiben von Darmparasiten ist sie auch in Teemischungen enthalten (u. a. als Samen - Heshi - in der chinesischen Medizin). Gerade bei Oxyuren, Darmwürmern („Madenwürmer“), die bei Kindern besonders häufig sind -, ist die Möhre als therapeutisches Hilfsmittel jedoch nicht sehr zuverlässig (Anwendung bei Würmern: Morgens 1 Glas Saft oder 1-2 große Möhren, bei Spulwürmern: frische, geschabte Möhren über mehrere Tage). Die leicht wassertreibende (diuretische) Wirkung wird therapeutisch zwar nur selten genutzt. 

Reinigungs- und Entschlackungskuren (z. B. im Vorwege einer medizinischen Fastenkur) können Möhren mit ihrer leberunterstützenden und diuretischen Wirkung jedoch gut unterstützen („Entgiftung“). 

Weitere Wirkungen: Entblähung, milchtreibend oder im Rahmen von Nierenerkrankungen harntreibend (wichtig z. B. bei Blasenentzündung), steintreibend (Nieren, Blasen, z. B. Nierengriess) und ödemausschwemmend (z. B. bei „dicken Füßen“). 

Traditionell empfohlen (aber kaum belegt) wird die Möhrenanwendung bei Störungen wie alkoholbedingtem Kater, Höhenkrankheit, Faltenbildungen oder verlängertem Menstruationszyklus. 





Gegen Krebs



Wesentlich als Erklärung der klinischen Wirkungen der Möhre ist ihr Gehalt an Betacarotin und ähnlicher Verbindungen (Lycopin, Lutein u. a.): Deren stark antioxidative Wirkungen reduzieren durch Entschärfung bestimmter Zellgifte (z. B. Sauerstoffradikale) die Gefahr von Herzinfarkten und Schlaganfällen. 

Zudem verbessern hohe Betacarotin-Werte im Blut die Rekonvaleszenz und erhöhen die Überlebensdauer bei diesen oft lebensbedrohlichen Komplikationen einer, oft mit Bluthochdruck kombinierten Arterienverkalkung. 

Soweit erforscht, könnten die antioxidativen Effekte durch eine Senkung schädlicher Blutfette in Kombination mit einer Erhöhung der Vitamin E-Spiegel im Blut (ebenfalls ein wichtiges Antioxidans) durch Karottenzubereitungen noch verstärkt werden. Ebenfalls von der antioxidativen Potenz von Betacarotin und anderen Carotinoiden sind die onkologischen Karotteneffekte abgeleitet: 

So senkt regelmäßiger Möhrenkonsum die Gefahr von Lungen- und Kehlkopfkrebs deutlich, auch bei ehemaligen Rauchern (bislang nur bei Frauen untersucht). Auch Krebserkrankungen der Vorsteherdrüse (Prostatakarzinom) soll Betacarotin vorbeugen. Hinzu kommen die bereits erwähnten, kanzerogenese-hemmenden Polyine.


Natürlich



Hersteller von isoliertem Betacarotin, Lutein und anderen entsprechenden antioxidativen Präparaten in Tablettenform versuchen seit Jahren die natürlichen Quellen dieser Wirkstoffe und deren Alltagskonsum als unliebsame Konkurrenz auszuschalten. 
Hauptargument: Die Carotinoide in Möhren oder anderem Gemüse würden nicht aufgenommen, würden durch Zubereitung oder im Magen-Darmtrakt zerstört, seien also nicht bioverfügbar. 

Zahlreiche Studien der letzten Jahre haben diesen Marketing-Einwand mittlerweile vollständig entkräftet. Der Verzehr von qualitativ hochwertigen Möhren als Gemüse, Salat oder Saft bekommt also auch weiterhin das Prädikat „besonders wertvoll für die Gesundheit“.




Bioaktive Substanzen in Möhren 

und anderen Pflanzen


Die alte Frage, warum bestimmte Heilpflanzen der Gesundheit des Menschens so gut tun, findet heute eine recht martialische, neo-darwinistisch geprägte 

Antwort: Viele Substanzen sind über Jahrmillionen durch Mutation und Selektion herausgebildete chemische Kampfstoffe der Pflanzen, mit denen sie sich gegen Fress- und andere Feinde zu behaupten versuchen. Viele dieser Feinde wiederum sehen auch uns Menschen nur als leckere Speise oder interessanten Brutplatz für ihre Nachkommenschaft. 

Das bekannteste Beispiel sind die aus Schimmelpilzen hergestellten Antibiotika - Ausdruck eines in diesem Fall Milliarden dauernden Kampfes zwischen Schimmelpilzen und Bakterien. 

Vergleichbares gilt auch für die vermifuge Potenz von Karotten - während sie die Pflanze vor Würmern schützt, vertreibt sie im Bedarfsfall auch unangenehme Schmarotzer aus unserem Darm.


Möhren - „functional food per se“



Karotten sind eine der populärsten Gemüsesorten überhaupt und functional food per se. Abhängig von der Art der Zubereitung (roh/gerieben, gekocht, gepresst) wirkt die Pflanze entweder abführend oder stopfend und ist ein ideales Diätetikum bei Verdauungsstörungen aller Art. 

Auch bei dyspeptischen Magenbeschwerden („Reizmagen“) mit Völlegefühl, Appetitlosigkeit oder Sodbrennen, bewähren sich Möhren als adjuvantes Nahrungsmittel immer wieder. Und - bereits erwähnt: Auch als ständiger Bestandteil der Ernährung können Möhren die Sehkraft oder die Hautgesundheit verbessern.

Risiken und Nebenwirkungen


Durch die Anwendung der Möhre als Lebensmittel auch schon bei Säuglingen ist hinlänglich belegt, dass sie praktisch nebenwirkungsfrei ist. In sehr seltenen Fällen können hochdosierte Präparate zu allergischen Reaktionen, Lichtempfindlichkeit oder Hautentzündungen führen. Entsprechende Präparate sollten wegen ihrer potentiell anregenden Wirkung auf die Gebärmuttermuskulatur nicht von Schwangeren eingenommen werden. Gegen den Verzehr der Möhre als Lebensmittel durch Schwangere ist hingegen nichts einzuwenden.


Typische Zubereitungen


  • industriell hergestellter Möhrensaft (Lebensmittelshandel) - geeignet als gelegentlicher (Pro-)Vitamin- oder Mineralstoffspender für Kinder und Erwachsener. Wegen der Vitamin-Degradation bei der normalen Saftherstellung ist der Saft kein Ersatz für selbst hergestellten, frischen Saft.
  • frischer Möhrensaft, gepresst am besten aus ökologisch hergestellten Karotten. Geeignet für die Behandlung z. B. von Vitaminmangelzuständen (Alkoholiker), Rekonvaleszenz nach schweren Erkrankungen (z. B. nach einer Krebs-OP), Kinder-Ernährung, leichter, nicht-infektiöser Durchfall, Verstopfung (Reizdarm). Anwendung in jedem Fall kurmässig, d. h. 3-5 Wochen lang, 2-3 Gläser frischer Saft täglich.
  • Frischpflanzen-Presssaft aus Mohrrüben, industriell hergestellt. Diese traditionellen Heilmittel aus qualitativ höchstwertiger Produktion sind besonders für medizinische Kuren geeignet. Sei es eine Entschlackungskur im Frühling, sei es, um nach schweren Belastungen besser wieder auf die Beine zu kommen.
  • Kapseln (innere Anwendung) zum Hautschutz, zumeist mit dem Hauptwirkstoff Betacarotin.
  • Cremes oder Hautöle aus Karotten(-samen) (kaltgepresst!) wirken einerseits direkt tönend und lichtschützend, andererseits dringen ihre Wirkstoffe in die Haut ein. Achtung: Reines ätherisches Karottensamenöl nicht direkt auf die Haut auftragen, sondern nur nach Mischung mit z. B. Avocado-Öl.




Montag, 28. April 2014

Muskatnuss - belebt und hilft bei Verdauungsstörungen


Muskatnuss





Der wohlriechende Samen ist als Küchengewürz bekannt. Dabei kann die Muskatnuss noch mehr: Seine ätherischen Öle helfen gegen Verdauungsstörungen ebenso wie gegen sexuelle Unlust. 

Die Muskatnuss-Frucht gleicht äusserlich einer Aprikose, die einen leuchtend roten Samenmantel (Arillus) birgt. In diesem steckt ein brauner, harter Kern und in diesem wiederum ein stark ölhaltiger Samen: die Muskatnuss (Myristica fragrans Houtt).




Handelsmonopol der Araber


Die Geschichte des Handels dieses äusserst aromatischen Gewürzes beginnt im 12. Jahrhundert. Nur die Araber kannten die südlichen Molukken (Indonesien) und einige wenige Nachbarinseln (Banda), auf denen dieser Baum wuchs. Die Gewürzhändler hüteten ihr Wissen um die genaue Lage der Inseln wie einen Schatz und konnten deshalb ihr Monopol fast vier Jahrhunderte aufrechterhalten. Als die Araber den besonderen Samen in Europa einführten, war Muskatnuss, ähnlich dem Pfeffer, ein rares Handelsgut und wurde mit Gold aufgewogen.



Vielleicht verführte die Seltenheit damalige Mediziner dazu, das Gewürz zu einem Wundermittel zu erklären. Eine Prise Muskatnuss sollte gegen praktisch alle erdenklichen Erkrankungen wirksam sein: So schworen führende Ärzte in London auf die Heilkraft der Muskatnuss bei Blutfluss oder Pest. Das Gleiche galt für Alltägliches wie Husten. Wer sich Luxus leisten konnte, der trank den Glühwein mit einer Prise Muskatnuss.

Unter Kopfjägern

Auch als die Europäer im 15. Jahrhundert immer mehr Seewege in die tropischen Gewässer eroberten, blieben die Molukken weiter unentdeckt. Ein Grund: Seefahrer, die zufällig auf die Muskatnuss-Inseln stiessen, konnten sie später nicht wiederfinden. Zusätzlich sind die Küsten von gefährlichen Riffen umgeben, an denen viele Schiffe zerschellten. Überlebende hatten wenig Chancen, ihr Geheimwissen weiterzugeben, denn ihnen drohte beim Betreten der Inseln eine neue Gefahr: Sie wurden von Kopfjägern ermordet und zierten als begehrte Trophäen die Stammeshäuser der Ureinwohner.

Ein gutes Magen-Darm-Mittel

Möglicherweise machten die Seeleute auf ihren langen Reisen zufällig eine wichtige Entdeckung: Geriebene Muskatnuss ist ein gutes Konservierungsmittel. Es verzögerte in erheblichem Masse den natürlichen Verwesungsprozess durch Verlangsamung der Oxidation. Ausserdem hatte der Samen noch einen weiteren Vorteil: Der charakteristische kräftige aromatische Geruch überdeckte den Gestank verdorbener Lebensmittel, die häufig noch das einzig Essbare an Bord waren. Mit dem brennend-würzigen, später etwas bitteren Geschmack konnten die Seeleute die schlechte Kost besser verzehren.

Und nicht zuletzt waren sie die Ersten, die Erfahrung mit der wohltuenden Wirkung des Samens auf den Magen-Darm-Trakt machten: Geriebene Muskatnuss wirkt gegen Blähungen, Durchfall und Magenkrämpfe. Auch die moderne Erfahrungsheilkunde benutzt Muskatnuss bei den genannten Beschwerden. Etwas in Vergessenheit geraten ist eine Anwendung bei starkem Durchfall: Dazu werden eine Messerspitze frisch geriebene Muskatnuss in einem Glas lauwarmem Wasser aufgelöst und langsam schluckweise getrunken. Die ätherischen Öle wirken beruhigend und entkrampfend auf die Darmmuskulatur.


Abenteuerliches

Wer Lust auf die spannende Geschichte des Muskatnuss-Handels hat, kann sich durch das Buch «Muskatnuss und Musketen. Der Kampf um das Gold Ostindiens» entführen lassen. Der Autor Giles Milton erzählt von der Entdeckung der Molukken, ihres wertvollen Gewürzes und seiner Ausbeutung. Miltons Darstellungen beruhen auf Eintragungen originaler Log-Tagebücher oder Briefen. Die gründliche Recherche, gepaart mit der Phantasie des Autors, entführt in die damalige Welt, liefert einen lebendigen Eindruck der strapaziösen, oft tödlich endenden Schiffsreisen.


– Milton, «Muskatnuss und Musketen – der Kampf um das Gold Ostindiens», Rowohlt Taschenbuch Verlag 2002, ISBN: 3-499-61367-0, Fr. 18.10




LSD aus der Natur

Muskatnuss enthält 
  • bis zu 16 Prozent ätherische Öle und 
  • bis zu 40 Prozent fettes Öl (Muskatbutter) mit hohem Anteil (etwa 75 Prozent) an dem Triglyzerid der Myristinsäure (gesättigte C14-Fettsäure), 
  • Stärke (etwa 30 Prozent), 
  • Zucker, 
  • Pektine und Farbstoffe bilden den Rest.

Unter anderem ist der Wirkstoff Myristicin als psychoaktiver Bestandteil der Muskatnuss mit halluzinogenem Charakter bekannt. Bei der Einnahme einer ganzen geriebenen Muskatnuss wurden leichte Bewusstseinsstörungen bis hin zu starken Halluzinationen beobachtet, die mit verändertem Raum- und Zeitgefühl, Euphorie, Benommenheit oder Sprachstörungen einhergehen können.

Ärzte raten deshalb von der Einnahme grosser Mengen geriebener Muskatnuss ab, da schwere Vergiftungen oder auch Psychosen ausgelöst werden können. Ausserdem kann es im Rausch zu Herzrasen, Magenschmerzen, Angstzuständen, Panikattacken, Übelkeit und Erbrechen kommen.



Wissenschaft und Forschung


In Thailand gehört die Muskatnuss zum traditionell angewandten Mittel gegen Magen-Erkrankungen, Magengeschwüre oder säurebedingte Magenerkrankungen, die häufig durch das Bakterium Helicobacter pylori entstehen und sogar zum Magenkrebs führen können; diese Erkrankungen kommen in Thailand selten vor. 
Wissenschaftler aus Bangkok untersuchten verschiedene traditionelle Pflanzen, die häufig in der Küche oder als Heilmittel eingesetzt werden. Bei der Muskatnuss stellten die Forscher vorbeugende, chemische Eigenschaften fest, die das Wachstum des Magenkeimes und die damit ausgelöste Formen von Magengeschwüren möglicherweise verhindern.

Japanische Wissenschaftler untersuchten die ätherischen Öle der Muskatnuss in Hinsicht auf ihre leberschützenden Effekte. In Tierversuchen fanden sie heraus, dass Myristicin durch Beeinflussung von Fresszell-Signalstoffen (TNF-alpha) zellschützende Eigenschaften hat und Leberkrebsauslösende Einflüsse entschärft.

Muskatnuss wird traditionell sowohl in der westlichen Naturheilkunde wie der ayurvedischen Medizin gerne als Aphrodisiakum eingesetzt. Vor kurzem haben indische Forscher in Tierexperimenten zeigen können, dass Muskatnuss-Extrakte sowohl Libido als auch Potenz fördern. Die Wissenschaftler vermuten einen nervenstimulierenden Einfluss der Muskatnuss.




Das Küchen-Gewürz


In unseren Breitengraden ist Muskatnuss eher als Gewürz bekannt: 
Zu einer typischen Béchamel-Sauce gehört fein geriebene, frische Muskatnuss. Bei Kartoffelstock, zu Raclette oder im Fondue wird es gerne verwendet, und die Italiener mögen das Gewürz auch zu Spinat. 
Wer mit Muskatnuss experimentieren möchte, kann sich von orientalischen Gerichten inspirieren lassen. In der marokkanischen, tunesischen oder indischen Küche wird es bei verschiedenen Fleischsorten ebenso verwendet wie in Gebäck.
Grundsätzlich wird frisch geriebene Muskatnuss empfohlen, weil sich der würzige Geschmack schnell verflüchtigt. Und: Eine sparsame Verwendung ist wichtig, sonst kann es leicht zu unliebsamen Überraschungen kommen. Das Gericht nimmt dann einen bitteren, unangenehmen Geschmack an.
Tipp: 
Wem der Samen zu kräftig ist, kann auch den getrockneten Samenmantel, der im Handel als Muskatblüte (Macis) verkauft wird, verwenden. Er enthält dieselben Inhaltsstoffe wie der Same, ist jedoch feiner und weniger intensiv. Wem beides, Same oder Macis, immer noch zu stark erscheint, kann fertige Gewürzmischungen benutzen. 
Die indische Fertigpaste Garam Massala beispielsweise oder die tunesische Galat Dagga enthalten unter anderem auch Muskatnuss. Die Pasten können eine interessante Bereicherung für Saucen oder als Fleischwürze sein, die je nach Geschmack eingesetzt werden.

Botanik:  Immergrüner Baum

Der Muskatnuss-Baum ist immergrün und reich verzweigt. Er erreicht eine Höhe von gegen 16 Meter und kann 100 Jahre alt werden. Die Muskatnuss-Produktion muss langfristig angelegt werden, denn ein Baum beginnt erst mit dem achten Jahr Früchte zu tragen, ab dem 15. Jahr erreicht er seine volle und lange andauernde Tragezeit. Jährlich können pro Baum gegen 2000 Früchte geerntet werden. 
Die reifen Früchte werden kurz vor dem Aufplatzen geerntet und das Fruchtfleisch entfernt. Die Kerne werden bis zu 8 Wochen getrocknet. Danach haben die Samenmäntel, die Macis, eine orange Farbe und die Nuss wird herausgebrochen. Umgangssprachlich spricht man zwar von Muskatnüssen, botanisch handelt es sich jedoch um eine einsamige Beere.
Werden Muskatnüsse trocken in einem verschlossenen Glas gelagert, halten sie rund acht Jahre. Um den heutigen Weltbedarf zu decken, gibt es Muskatnuss-Kulturen in Neuguinea, Indonesien, Indien, Madagaskar, Mauritius, Brasilien und Réunion.


























Sonntag, 27. April 2014

Grüntee - schützt den Organismus

Grüner Tee 




Seinen Namen verdankt der Grüntee der kräftig grünen Farbe, die er nach dem Aufgiessen annimmt. Dabei werden seine Blätter von derselben Teepflanze (Camellia sinensis) geerntet wie auch die Blätter des schwarzen Tees. Ob Schwarz- oder Grüntee aus ihnen entsteht, entscheidet sich durch die Weiterverarbeitung nach der Ernte. Der Schwarztee durchläuft einen sogenannten Fermentierungsprozess, wodurch seine Gerbstofe oxidieren.

 Beim Grüntee wird dieser Oxidationsprozess durch Rösten oder Dämpfen verhindert, sodass sowohl die grüne Farbe als auch die gesunden sekundären Pflanzenstoffe im Teeblatt erhalten bleiben. Diese Inhaltsstoffe machen Grünen Tee so gesund:

  • Flavonoide (Catechine)
  • Aminosäuren (u. a. Theanin)
  • Mineralstoffe (u. a. Kalium, Kalzium, Eisen)
  • Vitamine (A, B, C, E, K)
Ausserdem ist Grüner Tee reich an dem früher auch Thein genannten Koffein. Im Grüntee wird es nur schrittweise abgegeben, weshalb die anregende Wirkung milder ist als die von Kaffee.
Die inzwischen durch über 2.000 Studien belegten gesundheitlichen Wirkungen des Grüntees sind hauptsächlich den Catechinen zuzuschreiben. Dabei scheint der gesundheitlich bedeutendste Wirkstoff dieser zu den sekundären Pflanzenstoffen zählenden Substanzen das Epigallocatechin-Galla PGCG) zu sein. Vor allem die antioxidative Wirkung des EGCG ist enorm, denn sie ist 20-mal höher als die von Vitamin C. Damit kann das Catechin wirkungsvoll die aggressiven freien Sauerstoffradikale unschädlich machen und gleichzeitig vielen Erkrankungen vorbeugen. Grüntee kann nachweislich:
  • freie Radikale unschädlich machen
  • den Cholesterinspiegel senken
  • die Fettverbrennung verbessern
  • den Blutdruck senken
  • die Insulinsensitivität erhöhen und damit einem Typ-2-Diabetes vorbeugen
  • Krebs vorbeugen
  • das Arteriosklerose- und damit das Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko senken
  • einer Demenz-Erkrankung vorbeugen
Ausserdem hat der Genuss von Grüntee noch einen weiteren positiven Nebeneffekt: Aufgrund seiner Wirkung auf den Stoffwechsel hilft er auch beim Abnehmen.




Grüntee senkt den Blutdruck und hemmt das Tumorwachstum


Dass Grüntee auch ein guter Blutdrucksenker ist, belegte eine Studie der Universität Posen/Polen im Jahr 2012. Die Forscher verabreichend hierbei 56 Patienten mit Bluthochdruck und Übergewicht drei Monate lang täglich eine Kapsel mit 390 Gramm Grüntee-Extrakt. Diese Dosierung entspricht etwa drei Tassen des Tees. Eine gleichgroße Kontrollgruppe erhielt ein Scheinpräparat. Zum Ende der Studie war in der Grünteegruppe sowohl der obere (systolische) als auch der untere (diastolische) Blutdruckwert um immerhin 5 mmHg gesunken. In der Placebogruppe gab es dagegen keine Veränderung der Werte. Wenn Sie unter Bluthochdruck leiden, sollten Sie daher öfter die Tasse Kaffee durch eine Tasse Grüntee ersetzen.
Einige Studien legen die Annahme nahe, dass Grüntee das Risiko für bestimmte Krebsarten wie z. B. Darmkrebs vermindern kann. Nun zeigt eine Studie der Universität Glasgow/Großbritannien, dass die Catechine aus dem Grüntee eine neue Möglichkeit zur Krebsbehandlung erschließen könnten. Den Wissenschaftlern ist es gelungen, das EGCG an ein biologisches Transportmedium zu binden, sodass es die Tumorzellen direkt erreichen kann. Bisher ist es zwar nur im Tierversuch gelungen, auf diese Weise bösartige Hauttumoren zu verkleinern und das Leben der tierischen Krebspatienten zu verlängern. Die Ergebnisse geben jedoch berechtigten Anlass zur Hoffnung, dass aus diesen Erkenntnissen neue Therapieformen gegen die bösartige Erkrankung entwickelt werden können.

 Bis es soweit ist, können Sie in jedem Fall Ihr persönliches Krebsrisiko vermindern, wenn Sie täglich Grünen Tee zu sich nehmen.