Donnerstag, 29. Januar 2015

Schafgarbe pharmazeutisch betrachtet


Schafgarbe


An sonnigen, trockenen Hängen, Weg- und Feldrändern, auf Wiesen und Weiden, in den Alpen bis in Höhenlagen von etwa 1900 m, ist dieSchafgarbe in ganz Europa heimisch. Daneben findet man sie in Nord-, Vorder- und Zentralasien, nahe verwandte Arten auch in Nordamerika, nur in mediterranen Gebieten ist sie selten. Die Schafgarbe ist eine Pionierpflanze, sie gilt als Bodenfestiger und Nährstoffzeiger vor allem für stickstoffhaltige Böden.

Die Pflanzen werden bis zu 1,5 m hoch und besitzen fein gefiederte Blätter und zahlreiche Blütenköpfchen in Doldenrispen von weiß bis zartrosa.




Die Schafgarbe zählt zu den ältesten Arzneipflanzen, Ausgrabungen (Shanidar IV im irakischen Teil Kurdistans) belegen, dass die Neandertaler vor 60000 Jahren die Heilpflanze bereits verwendet haben. In der Antike und auch im Mittelalter wurde die Schafgarbe vor allem als Wundmittel gebraucht. Davon leitet sich auch die lateinische Bezeichnung „Achillea millefolium“ (tausendblättriges Wundkraut des Achill) ab. Im deutschen Namen Schafgarbe steckt das althochdeutsche Wort "garwe", was so viel heißt wie Gesundmacher. Dementsprechend besitzt die Schafgarbe in der Volksmedizin ein sehr breites Anwendungsgebiet.


Die Schafgarbe pharmazeutisch betrachtet

Obwohl die Schafgarben beim schnellen Hinsehen alle gleich aussehen, kann man in der Wissenschaft zahlreiche Artendifferenzieren, die sich auch in den Inhaltsstoffen und somit auch in der Wirkung unterscheiden. 
Daher ist bei der Schafgarbe Apothekenware vorzuziehen, weil sie Reinheit und hohen Wirkstoffgehalt garantiert.

Lateinische Bezeichnung: Achillea millefolium
Volksnamen: Achilleskraut, Bauchwehkraut, Schafrippenkraut, Feldgarbenkraut, Garbenkraut, Blutstillkraut, Jungfrauenkraut, Katzenkraut, Mausleiter, Soldatenkraut oder TausendblattSynonymeHerba Achilleae millefolii, Herba Achilleae albae. Milfoil, Yarrow Nosebleed (engl.). Herbe de millefeuille, Herbe au charpentier (franz.).

Stammpflanze: Achillea millefolium s. l. Familie Korbblütler (Asteraceae)

Verwendeter Pflanzenteil: Die zur Blütezeit gesammelten oberirdischen Teile (Millefolii herba). Die Pflanzen werden bis zu 1,5 m hoch und besitzen fein gefiederte Blätter und zahlreiche Blütenköpfchenin Doldenrispen von weiß bis zartrosa.

Offizinell (= Apothekenqualität):
Millefolii herba: mind. 0,20 % ätherisches Öl, mind. 0,02 % Proazulene.

Inhaltsstoffe:

      Schafgarbe enthält Bitterstoffe, Flavonoide aus der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe, und ein ätherisches Öl. Dessen Gehalt und Zusammensetzung kann je nach Art, Standort und Erntezeit variieren und besteht aus über 100 Verbindungen. U.a. ist Chamazulen bzw. seine Vorstufe Proazulen enthalten, Stoffe also, die auch der Kamille ihre heilende Wirkung verleihen. Der Chamazulengehalt des destillierten ätherischen Öls kann sogar deutlich höher sein als in Kamillenblüten.

Anwendungsgebiete:

      Ähnlich wie die Kamille wirkt auch die Schafgarbe, nämlich bei 

    -    krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm- und Gallenbereich, 
    -    Appetitmangel, Durchfall und Entzündungen, und 
    -     bei Menstruationsbeschwerden. 

    Das ätherische Öl wirkt beruhigend, krampflösend, entzündungshemmend und antimikrobiell. Die Bitterstoffe regen die Sekretion von Magen- und Gallensaft und somit die Verdauung an. Äußerlich werden Schafgarbenauszüge für Umschläge und Bäder bei entzündlichen Haut- und Schleimhauterkrankungen sowie als Wundheilmittel genutzt. 
    Die Homöopathie wendet die Schafgarbe bei Krampfaderleiden, Krampfschmerz und juckenden Hautleiden an.

Empfohlene Dosierung:

      Zwei Teelöffel voll (2 bis 4 g) Schafgarbenkraut werden mit heißem Wasser (ca. 150 ml) übergossen und nach 10 Minuten durch ein Teesieb gegeben. Soweit nicht anders verordnet, wird 3- bis 4mal täglich eine Tasse frisch bereiteter Teeaufguss warm zwischen den Mahlzeiten getrunken.

Unerwünschte Wirkungen:

      Bei empfindlichen Personen können nach Kontakt mit der frischen Pflanze bzw. äußerlicher Anwendung juckende, entzündliche Hautveränderungen mit Bläschenbildung auftreten, die Schafgarbendermatitis. Bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Korbblütlern wie z.B. Arnika, Kamille oder Ringelblumen ist Schafgarbe zu meiden.

Aufbewahrung:

      Tees, besonders solche, die ätherische Öle enthalten wie die Schafgarbe, Kamille, Pfefferminze, sollten in gut schließenden, undurchsichtigen Keramik- oder Metallgefäßen aufbewahrt werden. Auch braunes Glas eignet sich, aber keinesfalls Kunststoffbehälter. Kunststoff nimmt das ätherische Öl auf, dadurch wird der darin aufbewahrte Tee unwirksam.

TIPP

Die deutsche Bezeichnung „Schafgarbe“ weist darauf hin, dass Schafe gern die Pflanze verschmausen. Junge Blätter sind tatsächlich ein delikates Gewürzkraut für Salate, Suppen und fette Speisen.