Donnerstag, 16. April 2015

Wie wirken Omega-6 Fettsäuren in unserem Körper

Omega-6 Fettsäuren





Die Omega-6 Fettsäuren bilden die Linolsäuregruppe. Hauptvertreter der Omega-6 Fettsäuren sind die essenzielle Linolsäure weiters Gamma-Linolensäure und Arachidonsäure. Linolsäure ist in fast allen Pflanzenkeimen enthalten. Reichhaltige Quellen dieser Fettsäure sind Sonnenblumen-, Distel- und Sojaöl. Linolsäuren spielen eine Rolle im Sauerstofftransport über die Lungenbläschen zu den hämoglobinhältigen Erythrozyten bis zu den Mitochondrien jeder einzelnen Zelle. Gemeinsam mit schwefelhältigen Enzymen aktivieren sie den Sauerstoff und aktivieren die Hämoglobinbildung, fördern den Abbau von Milchsäure und beschleunigen die Regeneration. Sie sind ebenfalls wichtige Membrankomponente der Lipiddoppelmembran aller Zellen und deren Organellen.

Aus Linolsäure kann der Organismus folgende Vertreter der Omega-6 Fettsäuren bilden:
  • Gamma-Linolensäure (GLS)
  • Dihomo-Gamma-Linolensäure (DGLA) und
  • Arachidonsäure (AA)
Hinweis: Omega-6 Fettsäuren können nicht in Omega-3 Fettsäuren umgewandelt werden.


Schema des Umbaus von Linolsäure



Schema Linolsäure



Gamma-Linolensäure (GLS)


Gamma-Linolensäure ist Bestandteil der Zellwände und für die Bildung von Eicosanoiden notwendig. Das Enzym Delta-6-Desaturase baut Linolsäure zu Gamma-Linolensäure um. Delta 6-Desaturase scheint bei Neurodermitis Patienten und Patienten mit atopischem Ekzemen weniger aktiv zu sein.


Auf den Umbau hemmend wirken


  • Alkohol
  • Cholesterin
  • Diabetes Mellitus
  • gesättigte Fettsäuren
  • Transfettsäuren
  • Virusinfekte
  • Zinkmangel


Dihomo-Gamma-Linolensäure (DGLA)


DGLA wird zu einem wichtigen Eicosanoid, dem Prostaglandin E1, oder Arachidonsäure (AA) umgewandelt. Das Prostaglandin E1 besitzt stark entzündungshemmende und die Zusammenballung von Thrombozyten hemmende Eigenschaften. Es stabilisiert die übersteigerte T-Zellfunktion des Allergikers und unterdrückt die Immunreaktion der B-Zellen. Durch die Zufuhr von an Gamma-Linolensäure reicher Pflanzenölen, wie Borretsch- oder Nachtkerzenöl, wird die Bildung von Prostaglandin E1 auf Kosten der Prostaglandin E2-Reihe gefördert und damit der Belastung von Herz und Kreislauf sowie erhöhter Entzündungsneigungen entgegengewirkt. (U. Erasmus: Fats that Heal, Fats that Kill, Alive Books, 1993)

Arachidonsäure (AA)


Aus Arachidonsäure wird überwiegend die Reihe 2 Prostaglandine gebildet, die Entzündungsvorgänge und Ödembildung fördern sowie den Blutdruck steigern. Der größte Teil der AA stammt aus tierischen Nahrungsmitteln. Die aus Omega-6 Fettsäuren entstehende Eikosanoide fördern zwar die Blutgerinnung aber auch Entzündungsvorgänge. Wenn entzündlicher Schmerz, wie z. B. Rheuma vermindert werden soll, muss die Einnahme von AA reduziert und die Einnahme der Omega-3 Fettsäure Eicosapentaensäure (EPA) als Gegenspielerin erhöht werden. In Deutschland liegt die tägliche AA-Aufnahme bei ca. 300mg, wovon nur 0,1mg benötigt wird. Der Rest wird in entzündungsfördernde Eikosanoide umgewandelt.

Hinweis: Für den Umbau zu Eikosanoiden benötigen sowohl die Omega-6 als auch die Omega-3 Fettsäurearten die gleichen Enzyme. Wenn viele Omega-6 Fettsäuren aber nur wenige Omega-3 Fettsäuren aufgenommen werden, entstehen mehr Eikosanoide aus Omega-6 Fettsäuren. Daher ist es wichtig, beide Fettsäurearten in einem ausgewogenen Verhältnis aufzunehmen.


Anwendungsgebiete von Omega-6 Fettsäuren / GLS


  • Allergien, besonders der Haut:
    • Neurodermitis (Schuppenbildung und Juckreiz kann reduziert werden.)
    • atopischen Dermatitis bzw. Ekzeme: Einige Untersuchungen kamen zum Schluss, dass die essentielle Omega-6-Fettsäure in der Behandlung der atopischen Dermatitis von Nutzen sein kann. Der Wirkmechanismus ist teilweise bekannt; es wurde beispielsweise angenommen, dass bei Atopikern die Umwandlung von Linolensäure zu entzündungshemmenden Metaboliten wie Prostaglandin E1 fehlerhaft verläuft.allergisches Asthma.
  • Prämenstruelles Syndrom/PMS (Horrrobin, 1983)
  • Hormonstörungen bei der Frau
  • Schwangerschaft (verbessert unter anderem die Resorption von Zink des Ungeborenen)
  • rheumatische Arthritis (da PE1 Bildung begünstigt wird), chronische Entzündungen
  • Hypercholesterinämie
  • Diabetes; Polyneuropathien (Abschwächung der Nervenstörung). Die Zufuhr ist nötig, da der Umwandlungsmechanismus von Linolsäure zu GLS bei Diabetes Patienten gestört ist.
  • Diabetischer Neuropathien und Retinopathien
  • trockene Haut und Haare, Haarausfall, brüchige Nägel
  • Unterstützung bei Alkoholentwöhnung
  • Reduktion depressiver Phasen
  • Hyperaktivität bei Kindern
  • Vorbeugung bei Magengeschwüren (herabgesetzte Säureproduktion)
  • Multiple Sklerose
  • Hypertonie
  • Senkung des Thrombose-Herzinfarktrisikos (Kernhoff et al, 1978)

Natürliches Vorkommen

  • Linolsäure: kaltgepresste Pflanzenöle wie Distel-, Maiskeim-, Schwarzkümmel-, Sesam-, Sojabohnen-, Sonnenblumen- und Weizenkeimöl
  • Gamma-Linolensäure (GLS): Borretschöl, Nachtkerzenöl, Schwarzes Johannisbeersamenöl

Mangelerscheinungen von Omega-6 Fettsäuren

ekzemartige Hautveränderung, Haarverlust, eingeschränkter Leberstoffwechsel, Degeneration von Nierengewebe, erhöhte Infektanfälligkeit, Wundheilungsstörungen, Sterilität bei Mann und Frau, Herzkreislaufprobleme.

Ursache von Mangelsymptomen

Die Linol- als auch die Gamma-Linolensäure werden normalerweise mit einer ausgewogenen Kost in ausreichender Menge aufgenommen. Zu einem Defizit an Gamma-Linolensäure kann es durch erhöhtem Verbrauch, durch den Genuss von Alkohol, durch Bewegungsmangel oder auch durch Rauchen sowie aufgrund des natürlichen Alterungsprozesses kommen.