Montag, 16. Februar 2015

Virustatische Fähigkeit von Melisse - z.B. gegen Herpes

Mit Melissenextrakt gegen Herpes





Melissenextrakt ist das einzige Phytopharmakon,dessen antivirale Wirkung bei Herpes-simplex-Infektionen klinisch abgesichert ist. Verschiedene Studien belegen sowohl die Hemmung der Ausbreitung der Infektion in wenigen Stunden als auch den raschen Rückgang der Symptome. 

Durch seinen besonderen Wirkmechanismus stellt der Melissenextrakt nicht nur eine empfehlenswerte Initialtherapie, sondern wahrscheinlich auch eine Präventionsbehandlung der durch Herpes-simplex-Viren hervorgerufenen Infektionskrankheiten dar. 

Ursachen und Symptome Mit einer Inzidenz von über 90 Prozent gehören Infektionen durch Herpes-simplex-Viren zu den am meisten verbreiteten Infektionserkrankungen. Nach einer Erstmanifestation, die in den meisten Fällen in der Kindheit – oft asymptomatisch – stattfindet, führen später verschiedene exogene und endogene Faktoren zur Aktivierung der im Körper „ruhenden“ Erreger und damit zum Ausbruch der Erkrankung: UV-Licht, Bagatelltraumen oder eine immunsuppressive Medikation sind als Auslöser ebenso beteiligt wie Erkrankungen des Immunsystems oder vermehrter Stress.


Die Symptomatik verläuft in typischer Weise. Nach einem Vorläuferstadium von einigen Stunden entwickelt sich ein lokales Erythem mit einhergehendem Spannungsgefühl und zunehmender Schwellung, in dem sich schnell die charakteristischen Bläschen ausbilden. Im weiteren Verlauf kommt es zur Ausbreitung der Herpesviren mit vermehrter Bläschenbildung,bis die nach einigen Tagen entstehenden Krusten die Abheilung einleiten. 




Da die Aktivierung der Herpesviren nur bis zum Abschluss der Bläschenbildung dauert, sind im Anfangsstadium Virustatika indiziert,während in der Abheilungsphase ausschließlich antiseptisch wirksame Externa zur Vermeidung bakterieller Sekundärinfektionen angezeigt sind. Virustatischer Effekt der Melisse Als Heilpflanze, zum Beispiel bei Magen-DarmBeschwerden oder Schlafstörungen, ist die Melisse (Melissa officinalis), ein circa 80 Zentimeter hoher, stark nach Zitrone duftender Lippenblütler, seit langem bekannt. 

Der virustatische Effekt wässriger Melissenextrakte wurde erstmals 1964 bei Masern-, Mumps- und Newcastle-Disease-Viren beschrieben. 1978 haben May et al.2 die antivirale Wirkung gegen- über Herpes-simplex-Erregern vom Typ I und Typ II nachgewiesen. 

Im Vergleich mit mehr als 178 Heilpflanzen zeigte der wässrige Melissenextrakt die besten In-vitro-Ergebnisse. Insbesonders hemmt Melissenextrakt die Anlagerung des Virus an noch nicht infizierte Wirtszellen, wie weiterführende Tests von May belegt haben. 

Die antivirale Wirkung der Melisse wird den glykosidisch gebundenen Phenolcarbonsäuren und deren Polymeren zugeschrieben. Durch die Aufbereitung des Auszugs mittels eines chromatographischen Verfahrens wird ein hinsichtlich der virustatischen Wirksamkeit angereicherter Extrakt (70 :1) gewonnen.

Ein charakteristischer „Fingerprint“ der extrahierten Phenolcarbonsäuren lässt sich per HPL-Chromatographie darstellen und somit eindeutig identifizieren. Die Standardisierung erfolgt – analog zu den Antibiotika – auf der Basis mikrobiologischer Wertebestimmungen. Bei der Züchtung von Herpes-simplex-Viren in humanen Zellkulturen werden modifizierte DAB-Methoden wie der Plaquehemmtest angewendet.




Der entscheidende Effekt des Melissenextraktes beruht auf der Hemmung der interzellulären Ausbreitung der Herpeserreger bereits in der ersten Phase der Infektion: In-vitro-Experimente haben gezeigt, dass die Inhaltsstoffe der Melisse durch Anlagerung an die Zelloberflä- che die Rezeptoren blockieren und somit das Anheften und Eindringen der Viren in die Zellen verhindern.

Der Wirtszellstoffwechsel und damit einhergehend die Virusvermehrung wird unterbunden. Antivirale Wirksamkeit der Melisse durch Studien belegt Zahlreiche Studien belegen die klinische Wirksamkeit von Melissenextrakt bei Herpes-simplex-Infektionen der Haut. 
Erstmals 1984 wurde eine Creme mit den Auszügen aus der Melisse bei 115 Patienten in einer offenen kontrollierten Studie geprüft.In einer Placebo-kontrollierten,randomisierten zweiarmigen Parallelgruppenstudie unter Doppelblindbedingungen wurden weitere 116 Patienten mit unterschiedlich lokalisiertem Herpes-simplex-Befall behandelt. 

Ein statistisch signifikanter the rapeutischer Effekt konnte bei allen Herpeslokalisationen nachgewiesen werden. In der Gesamtbewertung des Heilungserfolges durch Ärzte und Patienten wurde die Melissenextraktzubereitung statistisch signifikant besser beurteilt als das Placebo. Die Wirkung bei Herpes labialis in einem frühen Behandlungsstadium war hierbei besonders eindrucksvoll. In einer Metaanalyse konnte eine signifikante Abhängigkeit zwischen Flächengröße und frühem Behandlungsbeginn aufgezeigt werden. 

Bestätigt wurde der Zusammenhang in einer Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie von Dundarov . Bei 66 Patienten, die bei Beginn der Therapie noch nicht länger als vier Stunden an Herpessymptomen litten, konnte die signifikante Überlegenheit des Melissenextraktes gegenüber dem Placebo eindeutig nachgewiesen werden.Besonders deutlich trat der Effekt im Summenscore der Herpesinfektion am zweiten Tag der Therapie zu Tage. 

Melissenextrakt im Vergleich zu Nucleosidanaloga:

Die vergleichende Bewertung der Wirksamkeit von Melissenextrakt und Nucleosidanaloga (am Beispiel Aciclovir) – auf der Basis einer retrospektiven Analyse von Daten aus verschiedenen klinischen Studien – ergab eindrucksvolle Belege für die Äquivalenz beider Therapieprinzipien.Als geeigneter Parameter wurde die Fläche der erkrankten Haut definiert. Im Rahmen einer Metaanalyse wurden nur Patienten ausgewertet,die innerhalb von acht Stunden nach Auftreten der ersten Symptome mit der Behandlung begonnen hatten.

Bei vergleichbarer mittlerer Größe des betroffenen Areals in beiden Studien erzielte die Behandlung mit Melissenextrakt nicht nur eine eindrucksvolle Verkleinerung der Fläche gegenüber dem Placebo, sondern auch eine dem Aciclovir klinisch äquivalente Wirkung. Die Resultate werden ohne Einschränkung durch die vergleichende Auswertung aus einer von Dundarow durchgeführten Studie mit einer Aciclovir-Zubereitung bestätigt. 

Die Studien belegen, dass die antivirale Wirkung des Melissenextraktes in Hinblick auf die Größe des Befallareals und die Bläschenzahl dem Effekt der virusreplikationshemmenden Nucleosidanaloga vom Typ des Aciclovirs gleichwertig ist. Virustatika auf der Basis von Nucleosidanaloga zeigten im Rahmen von klinischen Prüfungen und Anwendungsbeobachtungen Hinweise,dass sich die Zeit bis zur nächsten Affektion nach der Behandlung verkürzt und folglich die Rezidivhäufigkeit sogar zunehmen könnte. 


Im Gegensatz dazu deutet sich für die Therapie mit der Melissenextraktzubereitung eine Verringerung der Rezidivhäufigkeit an. Im Rahmen einer klinischen Studie bewerteten 69 % der Patienten die Frage nach einer Beeinflussung des rezidivfreien Intervalles mit verlängert,31 % mit unverändert und keiner mit einer Verkürzung. 

Durch eine retrospektive Auswertung der Angaben von 15 Patienten mit rezidivierendem Herpes labialis zur Dauer des rezidivfreien Intervalls fand sich nach der Anwendung der Melissenextrakt-Zubereitung im Vergleich zur Behandlung in anderen Virustatika eine signifikante Verlängerung des rezidivfreien Intervalles mit dem Melissenextrakt. 

Fazit Auf Grund seiner vergleichbaren Wirksamkeit, des Fehlens jeglichen Resistenzrisikos und unter Berücksichtigung seiner guten Verträglichkeit ist Melissenextrakt – wie in Lomaherpan® enthalten – bei Herpes-simplex-Infektionen eine Alternative zu den Nucleosidanaloga.

Literatur


R. Koytchev, R. G. Alken, S. Dundarow, Balm mint extract (Lo-701) for topical treatment of recurring Herpes labialis. Phytomedicine Vol 6(4): 1999 pp. 225 – 230

Glynn-Jones, P., Lecture at the AESGP (European Proprietary Medicines Manufactures Association) members meeting, London 31.01.1995